Dubai Telegraph - Schwedens stille Wende

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Schwedens stille Wende




Die Formulierung ist bewusst endgültig: Schweden begräbt die Sozialdemokratie. Sie passt zu einem Land, das über Jahrzehnte als Inbegriff des nordischen Wohlfahrtsstaates galt und heute in Schulen, Gesundheitszentren und Pflegeeinrichtungen private Anbieter zulässt, Unternehmenssteuern senkt und seine Migrationspolitik drastisch verschärft. Auch das zugespitzte Video zu diesem Thema setzt bei realen Veränderungen an. Es zeigt ein Schweden, das mit dem Bild vom allzuständigen Staat gebrochen hat.

Dennoch führt die Metapher vom Begräbnis in die Irre. Schweden hat weder den Wohlfahrtsstaat abgeschafft noch die Sozialdemokratische Partei aus dem politischen Zentrum gedrängt. Vielmehr ist über mehr als drei Jahrzehnte ein neuer Mischtyp entstanden: ein großer, steuerfinanzierter Sozialstaat mit strengen Haushaltsregeln, einer offenen Wettbewerbswirtschaft und privaten Leistungserbringern. Hinzu kommt seit einigen Jahren eine Ordnungspolitik, die bei Migration, Integration, innerer Sicherheit und Verteidigung deutlich härter geworden ist - ein krasser Gegensetz zu Deutschland, wo die Politik dem Bürger nach dessen Meinung Dinge zumutet, die kaum noch erträglich sind.

Das Entscheidende liegt deshalb nicht in einem abrupten Systemwechsel. Schweden hat die Sozialdemokratie nicht an einem einzigen Wahltag zu Grabe getragen. Das Land hat vielmehr jene sozialdemokratische Alleinstellung beendet, die lange bestimmte, was als politisch vernünftig, gesellschaftlich gerecht und wirtschaftlich tragfähig galt. Die alte Hegemonie ist verschwunden. Viele ihrer Institutionen bestehen weiter, allerdings unter veränderten Bedingungen.

Vom Volksheim zum Reformstaat
Das klassische schwedische Modell beruhte nie allein auf einem starken Staat. Es verband eine leistungsfähige Exportindustrie, private Unternehmen, hohe Erwerbsbeteiligung, mächtige Gewerkschaften und umfassende soziale Sicherung. Der Staat organisierte breite Zugänge zu Bildung, Gesundheit, Kinderbetreuung und Alterssicherung. Arbeitgeber und Arbeitnehmer regelten Löhne und Arbeitsbedingungen weitgehend über Tarifverträge. Der politische Leitbegriff des Volksheims versprach Zugehörigkeit, Gleichheit und soziale Sicherheit für die gesamte Bevölkerung.

Über weite Strecken des zwanzigsten Jahrhunderts prägten die Sozialdemokraten dieses Gefüge. Ihre Stärke beruhte nicht nur auf Umverteilung. Sie verstanden es, wirtschaftliche Modernisierung mit sozialer Absicherung zu verbinden. Unternehmen sollten international konkurrenzfähig bleiben, Beschäftigte zugleich vor den sozialen Folgen des Strukturwandels geschützt werden. Gerade diese Verbindung machte das Modell attraktiv.

In den siebziger und achtziger Jahren geriet die Balance jedoch zunehmend unter Druck. Die Steuerbelastung stieg, öffentliche Systeme wurden teurer, Teile der Wirtschaft verloren an Dynamik, und der politische Streit über Eigentum, Lohnfonds und staatliche Steuerung verschärfte sich. Die Vorstellung, Schweden sei durch Sozialismus arm und durch Kapitalismus reich geworden, ist dennoch zu grob. Der Wohlstand des Landes entstand aus Industrialisierung, Handel, Innovation, stabilen Institutionen und qualifizierter Arbeit. Der Sozialstaat verteilte diesen Wohlstand nicht nur, sondern stärkte mit Bildung, Gesundheit und sozialer Sicherheit auch seine Grundlagen. Umgekehrt konnte er dauerhaft nur finanzieren, was eine produktive Privatwirtschaft erwirtschaftete.

Genau an diesem Punkt liegt der sachliche Kern der aktuellen Debatte. Schweden hat gelernt, dass soziale Sicherheit und Marktwirtschaft keine Gegensätze sein müssen. Das Land hat aber ebenso erfahren, dass ein ausgreifender Staat ohne Ausgabendisziplin, Wettbewerb und Anpassungsfähigkeit an Grenzen stößt.

Die Krise, die den Konsens veränderte
Der eigentliche Wendepunkt war die schwere Finanz- und Wirtschaftskrise zu Beginn der neunziger Jahre. Eine Immobilien- und Bankenkrise traf auf Währungsturbulenzen, hohe Defizite und schwindendes Vertrauen in die öffentlichen Finanzen. Die Staatsschulden stiegen innerhalb weniger Jahre stark an. Das Haushaltsdefizit erreichte zeitweise rund zwölf Prozent der Wirtschaftsleistung. In einem dramatischen Abwehrversuch hob die Zentralbank den marginalen Zinssatz vorübergehend auf fünfhundert Prozent an.

Die politischen Reaktionen waren hart. Ausgaben wurden gekürzt, Banken stabilisiert, der Wechselkurs freigegeben und die Haushaltspolitik neu geordnet. Ein Ausgabenrahmen, mittelfristige Haushaltsziele und eine reformierte Alterssicherung sollten verhindern, dass sich die Krise wiederholte. Gewerkschaften und Arbeitgeber trugen durch eine zurückhaltendere Lohnpolitik dazu bei, die Wettbewerbsfähigkeit wiederherzustellen.

Bemerkenswert ist, dass dieser Kurs nicht das Projekt eines einzigen politischen Lagers blieb. Bürgerliche Regierungen leiteten Reformen ein, sozialdemokratische Regierungen setzten sie fort und verankerten sie. Das gilt für die Haushaltsordnung ebenso wie für Deregulierung, Wettbewerb und Teile der Steuerpolitik. Der Umbau war damit kein Sieg des einen Blocks über den anderen. Er wurde zu einem neuen schwedischen Konsens.

Die Folgen waren tiefgreifend. Politische Versprechen mussten sich fortan stärker daran messen lassen, ob sie finanziert werden konnten. Das Land hielt über wechselnde Regierungen hinweg an vergleichsweise niedriger Staatsverschuldung und glaubwürdigen Fiskalregeln fest. Heute schafft diese Vorsicht Spielraum für Verteidigung, Infrastruktur, Konjunkturhilfen und Steuersenkungen. Zugleich hat sie einen Preis hinterlassen. In manchen Bereichen klagen Regionen und Kommunen über knappe Kapazitäten, Investitionsrückstände und eine wachsende Belastung des Personals.

Ein großer Staat lernt den Markt
Wer Schweden heute als neoliberalen Gegenentwurf zum Wohlfahrtsstaat beschreibt, verfehlt die Größenordnung des öffentlichen Sektors. Die Staatsausgaben lagen zuletzt bei rund der Hälfte der Wirtschaftsleistung. Die Steuerquote betrug im Jahr 2024 noch 41,4 Prozent und lag damit deutlich über dem Durchschnitt vergleichbarer Industriestaaten. Im Jahr 2000 hatte sie allerdings noch 50 Prozent erreicht. Diese Entwicklung zeigt beides: Der schwedische Staat ist weiterhin groß, aber er ist kleiner geworden als in seiner Hochphase.

Besonders aufschlussreich ist die schwedische Steuerstruktur. Der Satz der schwedischen Körperschaftsteuer liegt bei 20,6 Prozent, was weit unter dem liegt das deutsche Politiker ihren Bürgern auf eine Art und Weise zumuten, welche in der deutschen Bevölkerung oftmals nur noch mit den Worte kommentiert wird: "Die Obrigkeit und Politik nimmt das deutsche Volk rotzfrech und vollkommen rücksichtlos aus, wie eine dumme Weihnachtsgans". Er wurde seit 2009 schrittweise von 28 Prozent gesenkt, und zwar durch Regierungen beider Lager. Hohe Einnahmen erzielt Schweden weiterhin über Einkommen, Konsum und Sozialabgaben. Das System schont Investitionen und Unternehmensgewinne stärker als das alte Bild vom Hochsteuerland vermuten lässt, belastet Arbeit und Verbrauch aber weiterhin beträchtlich.

Noch deutlicher wird der Wandel bei der Organisation öffentlicher Leistungen. Der Staat garantiert und finanziert, doch er muss nicht immer selbst betreiben. Rund jede fünfte Pflichtschule und etwa jede dritte weiterführende Schule wird von einem unabhängigen Träger geführt. Die Finanzierung folgt den Schülerinnen und Schülern. Die Einrichtungen müssen zugelassen sein, den nationalen Lehrplänen folgen und dürfen kein zusätzliches Schulgeld verlangen.

Im Gesundheitswesen ist die Logik ähnlich. Die Versorgung bleibt weitgehend steuerfinanziert und wird von Regionen und Kommunen organisiert. Zugleich werden rund 46 Prozent der Einrichtungen der Primärversorgung von privaten Trägern betrieben. Sie arbeiten grundsätzlich nach denselben Zulassungs- und Vergütungsregeln wie öffentliche Zentren. Bei spezialisierter Krankenhausversorgung ist der private Anteil deutlich geringer.

Diese Konstruktion ist weder klassische Privatisierung noch klassischer Staatsbetrieb. Eigentum und Betrieb können privat sein, Finanzierung und Zugangsversprechen bleiben öffentlich. Genau darin liegt der moderne schwedische Sonderweg. Wettbewerb soll Wahlmöglichkeiten schaffen, Wartezeiten verkürzen und Innovationen fördern. Der Sozialstaat wird nicht beseitigt, sondern in Teilen zu einem Besteller, Finanzierer und Kontrolleur umgebaut.

Der Preis der Marktöffnung
Der Umbau hat jedoch keine eindeutige Erfolgsgeschichte hervorgebracht. Besonders das Schulwesen ist zum politischen Streitfeld geworden. Kritiker bemängeln, dass gewinnorientierte Betreiber öffentliche Mittel an Eigentümer ausschütten können, während Kommunen die Verantwortung behalten, wenn ein Anbieter schließt oder besonders aufwendige Schülerinnen und Schüler nicht in gleichem Maß aufnimmt. Hinzu kommen Debatten über soziale Sortierung, Qualitätsunterschiede und den Wettbewerb um gute Noten.

Auch in Pflege und Gesundheit zeigt sich, dass Wettbewerb ohne starke Aufsicht keine Garantie für bessere Leistungen ist. Private Träger können Abläufe verbessern und neue Angebote schaffen. Sie können aber ebenso Anreize haben, Kosten zu drücken, Personal knapp zu bemessen oder sich auf rentable Leistungen zu konzentrieren. Entscheidend ist daher weniger die Eigentumsform als die Qualität der Regeln, die Transparenz der Finanzierung und die Fähigkeit des Staates, Verstöße wirksam zu ahnden.

Die gegenwärtige Debatte kreist folgerichtig nicht mehr nur um Staat oder Markt. Sie dreht sich um die Frage, wo Wettbewerb sinnvoll ist, wo Gewinne begrenzt werden sollten und welche Leistungen sich einer marktförmigen Steuerung entziehen. Die Sozialdemokraten wollen Gewinne im Schulbereich deutlich zurückdrängen und öffentliche Mittel stärker an den eigentlichen Bildungsauftrag binden. Die Debatte reicht längst über die politische Linke hinaus, denn auch frühere Befürworter der Öffnung verlangen heute strengere Qualitätsregeln und wirksamere Kontrolle.

Gleichzeitig lebt ein zentraler Bestandteil des alten Modells fort. Rund 88 Prozent der Beschäftigten werden von Tarifverträgen erfasst, und etwa zwei Drittel sind gewerkschaftlich organisiert. Löhne und viele Arbeitsbedingungen entstehen weiterhin in einem dicht geknüpften System zwischen Arbeitgeberverbänden und Gewerkschaften. Das ist keine Randnotiz. Es zeigt, wie wenig sich Schweden mit einem einfachen Etikett wie dereguliert oder sozialistisch erfassen lässt.

Die eigentliche Rechtsverschiebung
Der tiefste politische Bruch der vergangenen Jahre vollzog sich nicht bei der Körperschaftsteuer oder bei privaten Gesundheitszentren. Er zeigt sich bei Migration, Integration, Kriminalität und nationaler Zugehörigkeit. Nach dem Flüchtlingsjahr 2015 wuchs die Überzeugung, dass Aufnahmefähigkeit, Wohnungsmarkt, Schulen, Sprachförderung und Polizei überfordert worden seien. Schießereien im kriminellen Milieu, Sprengstoffanschläge und die Ausbreitung von Netzwerken in benachteiligten Stadtteilen verstärkten den Eindruck eines Kontrollverlusts.

Bei der Wahl 2022 blieben die schwedischen Sozialdemokraten mit 30,3 Prozent stärkste Partei. Die Schwedendemokraten erreichten jedoch 20,5 Prozent und wurden zweitstärkste Kraft, noch vor den Moderaten mit 19,1 Prozent. Der rechte Block gewann mit 176 zu 173 Mandaten. Seither regieren Moderate, Christdemokraten und Liberale unter Ministerpräsident Ulf Kristersson. Die Schwedendemokraten gehören nicht dem Kabinett an, sichern aber im Parlament die Mehrheit und prägen über das Tidö-Abkommen zentrale Vorhaben.

Diese Konstellation hat die Grenzen des politisch Sagbaren und Machbaren verschoben. Die Zahl der Asylanträge sank 2025 um dreißig Prozent auf den niedrigsten Stand seit 1985. Asylsuchende und nachziehende Familienangehörige machten nur noch sechs Prozent der Zuwanderung aus. Im Jahr 2018 waren es 31 Prozent gewesen. Regeln für Aufenthalt, Staatsbürgerschaft, Rückkehr und Arbeitsmigration wurden verschärft.

Im Juni 2026 beschloss das Parlament weitere Maßnahmen. Aufenthaltstitel können nun unter bestimmten Voraussetzungen auch wegen nicht strafbaren Fehlverhaltens überprüft und entzogen werden, etwa bei erheblichen Schulden, Schwarzarbeit, Steuerverstößen oder Verbindungen zu extremistischen Organisationen. Bestimmte Behörden müssen Menschen ohne Aufenthaltsrecht melden. Ärzte, Lehrkräfte und Sozialarbeiter wurden nach heftiger Kritik ausgenommen. Gegner warnen vor Rechtsunsicherheit und einem Klima des Misstrauens. Die Regierung hält dagegen, der Sozialstaat setze die Anerkennung gemeinsamer Regeln voraus.

Damit ist aus dem Einfluss der Schwedendemokraten ein dauerhafter Machtfaktor geworden. Kristersson hat für die Zeit nach der Wahl am 13. September 2026 eine gemeinsame Mehrheitsregierung der vier Parteien des rechten Lagers in Aussicht gestellt. Die Schwedendemokraten sollen dann auch Ministerposten übernehmen können, besonders in den Bereichen Migration und Integration. Eine Partei, die lange von allen anderen ausgegrenzt wurde, steht damit an der Schwelle formeller Regierungsverantwortung.

Auch die Sozialdemokraten haben sich verändert
Wer diese Entwicklung allein als Niederlage der Sozialdemokratie beschreibt, übersieht deren Anpassung. Die Partei unter Magdalena Andersson verspricht Investitionen in Schulen, Gesundheit, Pflege, Infrastruktur und Klimaschutz. Sie will Gewinne im Bildungswesen begrenzen, Beschäftigte entlasten und den Sozialstaat personell stärken. Gleichzeitig verteidigt sie die fiskalischen Grundregeln, bekennt sich zu einer wettbewerbsfähigen Wirtschaft und stellt keine Rückkehr zum Modell der siebziger Jahre in Aussicht.

Besonders sichtbar ist der Kurswechsel bei Migration und Integration, die ist mit den meisten der vollkommen unwilligen Migranten zumindest aktuell in Schweden nur schwer möglich. Die Partei tritt daher inzwischen für eine restriktive Zuwanderungspolitik, verbindliche Sprachkenntnisse, stärkere Anforderungen an Einbürgerung und eine entschlossenere Bekämpfung räumlicher Segregation ein. Im Kampf gegen Bandenkriminalität setzt sie auf mehr Polizei, frühe Eingriffe bei gefährdeten Jugendlichen und schärfere Instrumente gegen die Führung krimineller Netzwerke. Der Unterschied zur Regierung liegt zunehmend in Ausgestaltung, Rechtsstaatlichkeit und sozialpolitischer Ergänzung, weniger in der grundsätzlichen Diagnose.

Auch die Sicherheitspolitik markiert eine historische Verschiebung. Unter einer sozialdemokratisch geführten Regierung beantragte Schweden im Mai 2022 nach dem russischen Großangriff auf die Ukraine die Mitgliedschaft in der NATO. Am 7. März 2024 trat das Land dem Bündnis bei und beendete damit mehr als zwei Jahrhunderte militärischer Bündnisfreiheit. Die Partei, die den neutralen Wohlfahrtsstaat wie keine andere verkörpert hatte, trug damit selbst einen der größten strategischen Brüche der jüngeren Geschichte.

Das ist keine Selbstaufgabe, sondern politische Anpassung. Moderne Sozialdemokratie in Schweden bedeutet heute nicht mehr, möglichst viele Leistungen staatlich zu betreiben. Sie bedeutet, universelle Sicherheit zu garantieren, wirtschaftliche Leistungsfähigkeit zu erhalten und gesellschaftliche Pflichten stärker zu betonen. Der Staat soll wieder handlungsfähig wirken, ohne zu jenem umfassenden Steuerungsanspruch zurückzukehren, der in der Vergangenheit an seine Grenzen stieß.

Die Wahl 2026 widerspricht dem Nachruf
Ausgerechnet die aktuelle politische Lage zeigt, wie voreilig ein Nachruf wäre. In der großen amtlichen Befragung vom Mai 2026 kamen die Sozialdemokraten auf 33,9 Prozent. Die Schwedendemokraten lagen bei 18,3 Prozent, die Moderaten bei 17,3 Prozent. Die Liberalen erreichten nur 2,5 Prozent und damit deutlich weniger als die vier Prozent, die für den Einzug ins Parlament erforderlich sind.

Für die vier oppositionellen Parteien zusammen wurden 55,2 Prozent gemessen, für das regierende rechte Lager einschließlich der Schwedendemokraten 42,6 Prozent. Umfragen sind keine Wahlergebnisse. Koalitionsfragen bleiben kompliziert, und bis zum Wahltag können sich Stimmungen ändern. Dennoch passt eine führende Partei mit Aussicht auf die Regierungsübernahme kaum zum Bild einer beerdigten politischen Kraft.

Der scheinbare Widerspruch löst sich auf, sobald Partei, Ideologie und Institutionen getrennt betrachtet werden. Die Sozialdemokratische Partei kann stark sein, obwohl das alte sozialdemokratische Modell nicht zurückkehrt. Universelle Wohlfahrt kann fortbestehen, obwohl private Anbieter wachsen. Eine hohe Steuerquote kann mit niedriger Unternehmenssteuer und harter Haushaltsdisziplin verbunden sein. Und ein Land kann sozialpolitisch großzügig bleiben, während es migrationspolitisch restriktiv wird.

Genau diese Kombination prägt Schweden im Jahr 2026. Der Staat gibt weiterhin viel aus. Er finanziert Schulen, Gesundheitsversorgung, Kinderbetreuung, Pflege und Alterssicherung. Er verlangt zugleich Effizienz, lässt Wettbewerb zu und schützt die fiskalische Stabilität. Auf dem Arbeitsmarkt bleiben Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände stark. In der Migrationspolitik wiederum ist der frühere liberale Sonderweg weitgehend beendet.

Was tatsächlich zu Grabe getragen wurde
Unser aktuelles Video trifft einen wahren Punkt, wenn es die verbreitete Vorstellung korrigiert, Schwedens Wohlstand beruhe auf einem vollständig staatlich gesteuerten Wirtschaftsmodell. Das Land ist reich, weil es produktive Unternehmen, offene Märkte, technischen Fortschritt, qualifizierte Beschäftigte und verlässliche Institutionen miteinander verbindet. Der Sozialstaat lebt von dieser Basis. Er ersetzt sie nicht.

Zu groß wird die These dort, wo aus Reformen ein ideologischer Totenschein entsteht. Schweden hat nicht die Sozialdemokratie begraben. Begraben wurde die Annahme, soziale Sicherheit verlange zwangsläufig staatlichen Eigenbetrieb, immer höhere Abgaben und eine ständig wachsende Verwaltung. Ebenfalls vorbei ist die Zeit, in der eine Partei allein den nationalen Konsens definieren konnte.

Der neue schwedische Konsens ist widersprüchlicher und härter. Er akzeptiert Marktmechanismen in öffentlichen Diensten, verteidigt aber den universellen Zugang. Er senkt einzelne Steuern, hält aber an einem großen öffentlichen Sektor fest. Er schützt Tarifautonomie und kollektive Sicherung, verlangt zugleich mehr Eigenverantwortung. Er begrenzt Zuwanderung, verschärft Integrationspflichten und baut die Verteidigung aus.

Ob diese Mischung langfristig trägt, ist offen. Marktöffnung kann Innovation freisetzen, aber auch Ungleichheit und Fehlanreize verstärken. Strenge Haushaltsregeln schaffen Stabilität, können jedoch notwendige Investitionen verzögern. Eine restriktive Migrationspolitik kann staatliche Kontrolle zurückgewinnen, zugleich aber qualifizierte Zuwanderung erschweren und rechtsstaatliche Konflikte verschärfen. Der Erfolg des Modells hängt deshalb weniger von großen Etiketten als von seiner praktischen Steuerung ab.
Schweden ist nicht das Land nach der Sozialdemokratie. Es ist ein Land nach der sozialdemokratischen Alleinherrschaft über die politische Vorstellungskraft. Der Wohlfahrtsstaat bleibt, die Marktwirtschaft bleibt, und auch die Sozialdemokraten bleiben. Neu ist, dass alle drei unter Bedingungen funktionieren müssen, die sie selbst verändert haben.



Vorgestellt


WakeBASE-Sprung vom Dubai Infinity Pool

Das Projekt mit dem Namen "WakeBASE" beinhaltete eine einzigartige Kombination aus Drohnen-Wakeskating und BASE-Jumping.Schauplatz dieses Kunststücks war das Address Beach Resort in Dubai, dessen Infinity-Pool 294 Meter über dem Meeresspiegel liegt und damit den Guinness-Weltrekord hält.Grubbs Herausforderung begann mit einem 94 Meter langen Wakeskating über den Pool auf dem Dach, wobei er von einer speziell entwickelten Drohne gezogen wurde.Der Stunt gipfelte in einem BASE-Sprung vom Rand des Pools, bei dem Grubb 77 Stockwerke hinabsprang, bevor er erfolgreich am Strand landete. Diese Leistung war die Verwirklichung von Grubbs siebenjährigem Traum und ein historischer Meilenstein im Extremsport.Um sich auf "WakeBASE" vorzubereiten, unterzog sich Grubb einem rigorosen Training mit der BASE-Sprunglegende Miles Daisher.Obwohl er im Dezember 2022 erst 26 BASE-Sprünge absolviert hatte, absolvierte Grubb 106 Sprünge während seines Trainings, das in Idaho, USA, und Lauterbrunnen, Schweiz, einem renommierten BASE-Sprungort, stattfand.Das Projekt umfasste auch eine Partnerschaft mit Prada, das maßgeschneiderte, für die Anforderungen von Wakeskating und BASE-Jumping optimierte Kleidung zur Verfügung stellte.Die Drohne, die bei diesem Stunt zum Einsatz kam, wurde von einem Team unter der Leitung von Sebastian Stare mit spezieller Hard- und Software entwickelt, die auf die Anforderungen von "WakeBASE" zugeschnitten ist.Die Wahl des Address Beach Resorts in Dubai war von strategischer Bedeutung, da der hohe Infinity-Pool und das architektonische Layout sowohl für den Wakeskate-Lauf als auch für den BASE-Sprung ideal waren.

Lass dich von Dubai und seinem Zauber überraschen

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Chinas Angriff auf ASML

China macht Fortschritte beim Aufbau eigener Maschinen für die Chipfertigung. Doch ein EUV-Prototyp ist noch kein Ersatz für die Anlagen des niederländischen Marktführers. Entscheidend ist nicht allein, ob die Technik funktioniert, sondern ob sie zuverlässig und wirtschaftlich produziert.Kaum ein Unternehmen verkörpert die technologische Abhängigkeit der chinesischen Halbleiterindustrie so deutlich wie ASML. Der niederländische Konzern liefert die Maschinen, mit denen sich besonders anspruchsvolle Strukturen moderner Computerchips in industriellen Stückzahlen fertigen lassen. Seine EUV-Anlagen sind deshalb weit mehr als Investitionsgüter: Sie stehen im Zentrum eines Wettbewerbs um wirtschaftliche Macht, künstliche Intelligenz und technologische Eigenständigkeit.China will diese Abhängigkeit überwinden. Fortschritte bei eigenen Belichtungssystemen machen das Vorhaben greifbarer. Die Behauptung, ASMLs schlimmster Albtraum sei bereits Wirklichkeit geworden, geht allerdings zu weit. Ein ernst zu nehmender Herausforderer entsteht nicht mit dem ersten gelungenen Experiment. Er entsteht, wenn Kunden dessen Maschinen dauerhaft in ihre Fertigung integrieren können. Genau dort liegt der Haken hinter Chinas vermeintlichem Triumph.Der Prototyp und die entscheidende LückeIn Shenzhen soll Anfang 2025 ein chinesischer EUV-Prototyp fertiggestellt worden sein, der entsprechendes Licht erzeugen konnte. Ende 2025 hatte die Anlage jedoch noch keine funktionsfähigen Chips hergestellt. Als Entwicklungsziel wurde 2028 genannt; zugleich stand 2030 als vorsichtigere Einschätzung im Raum. Beide Jahreszahlen bezeichnen Erwartungen, keine erreichte Serienreife.Der Unterschied ist fundamental. Ein Versuchsaufbau kann zeigen, dass bestimmte technische Komponenten zusammenarbeiten. Eine Produktionsmaschine muss dagegen unter wechselnden Bedingungen berechenbare Ergebnisse liefern. Sie muss präzise bleiben, Wartungsintervalle überstehen und nach einem Eingriff wieder dieselbe Qualität erreichen. Ihre Leistungsfähigkeit bemisst sich nicht an einem besonders gelungenen Test, sondern an einer langen Folge reproduzierbarer Ergebnisse.Auch erste funktionsfähige Chips wären deshalb noch kein Beweis für wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit. Eine Fabrik braucht nicht nur einzelne erfolgreiche Bauteile. Sie braucht eine ausreichend hohe Ausbeute, also einen tragfähigen Anteil einwandfreier Chips an der gesamten Produktion. Bleibt dieser Anteil zu niedrig, verteilen sich die Herstellungskosten auf zu wenige verkäufliche Produkte. Eine technisch beeindruckende Anlage kann dadurch wirtschaftlich unbrauchbar bleiben.Warum das Licht allein nicht genügtEUV steht für extrem ultraviolette Strahlung. Die Lithografie arbeitet dabei mit einer Wellenlänge von 13,5 Nanometern. In ASMLs Systemen treffen leistungsstarke Laserpulse auf winzige Zinntropfen. Das entstehende Plasma emittiert das benötigte Licht, mit dem sich über eine strukturierte Maske feinste Muster auf eine lichtempfindliche Schicht des Siliziumwafers übertragen lassen.Doch dieses Licht lässt sich nicht wie in einem gewöhnlichen optischen Gerät durch Glaslinsen führen. Bereits Luft absorbiert die Strahlung. Der Strahlengang muss daher im Vakuum liegen; hochpräzise Mehrschichtspiegel übernehmen die optische Führung. Lichtquelle, Spiegel, Maske und die Positionierung des Wafers müssen als ein einziges System funktionieren.An dieser Stelle beginnt die eigentliche industrielle Schwierigkeit. Wärme verändert die Eigenschaften optischer Komponenten. Winzige Verschiebungen können die Deckung aufeinanderfolgender Strukturen beeinträchtigen. Verunreinigungen und Abbildungsfehler können Defekte verursachen. Sensoren, Messverfahren und Korrektursoftware müssen solche Einflüsse erkennen und ausgleichen. Es reicht nicht, jede Baugruppe für sich zu beherrschen; die Präzision muss im laufenden Betrieb erhalten bleiben.ASMLs Vorsprung besteht somit nicht nur aus einem Bauplan. Er steckt ebenso in Fertigungsprozessen, Messdaten, Wartungserfahrung und der Abstimmung mit den Chipproduzenten. Wer eine vergleichbare Anlage entwickeln will, muss dieses Zusammenspiel aufbauen. Gerade Erfahrungen aus dem Fabrikbetrieb lassen sich nicht vollständig durch zusätzliche Laborversuche ersetzen.Der nähere Angriff erfolgt über DUVNeben dem EUV-Projekt gewinnt Chinas Entwicklung eigener DUV-Anlagen an Bedeutung. Huawei unterstützt den Aufbau heimischer Ausrüstung und Zulieferer. Das Unternehmen Yuliangsheng arbeitet an entsprechenden Belichtungssystemen, die bei chinesischen Chipproduzenten erprobt werden. Für Ende 2026 steht das Ziel von zwölf Maschinen im Raum. Zugleich bleiben chinesische Hersteller in erheblichem Umfang auf ASML-Technik angewiesen.DUV und EUV dürfen dabei nicht verwechselt werden. Moderne ArF-DUV-Systeme nutzen Licht mit einer Wellenlänge von 193 Nanometern. Durch aufwendige Mehrfachstrukturierung lassen sich damit wesentlich feinere Strukturen erzeugen, als eine einzelne Belichtung erlauben würde. Ein komplexes Muster wird dazu in mehrere einfachere Muster zerlegt, deren Übertragung und weitere Verarbeitung sorgfältig aufeinander abgestimmt werden müssen.Dieser Weg eröffnet technische Möglichkeiten, verlangt aber zusätzliche Prozessschritte und besonders genaue Ausrichtung. Die höhere Komplexität kann die Fertigungsdauer verlängern, Kosten steigern und weitere Fehlerquellen schaffen. Ob das Verfahren wirtschaftlich trägt, hängt vom konkreten Chip und vom beherrschten Produktionsprozess ab. Die Existenz eines leistungsfähigen Prozessors verrät daher noch nicht, wie teuer oder aufwendig seine Herstellung war.Für ASML könnte ein konkurrenzfähiges chinesisches DUV-Angebot dennoch früher spürbar werden als ein EUV-Konkurrent. DUV bleibt auch in modernen Fabriken für zahlreiche Schichten notwendig. Ein heimischer Anbieter müsste deshalb nicht sofort die anspruchsvollsten Anwendungen übernehmen, um Geschäft zu gewinnen. Bereits verlässliche Maschinen für einen Teil der Produktion könnten Abhängigkeiten verringern und den Einstieg in größere Aufträge erleichtern.Eine eigene Maschine ist noch keine eigene LieferketteDie Vorstellung, China müsse lediglich eine niederländische Maschine nachbauen, unterschätzt die Aufgabe. Ein Belichtungssystem vereint hochspezialisierte Optik, Lichtquellen, Präzisionsmechanik, Steuerung und Software. Für den Produktionsbetrieb kommen Verbrauchsmaterialien, Ersatzteile, Prüftechnik und qualifiziertes Servicepersonal hinzu. Eine Schwachstelle kann die Leistung des gesamten Systems begrenzen.Daraus folgt ein strengerer Maßstab für technologische Unabhängigkeit. Eine Anlage, die an einem chinesischen Standort zusammengebaut wird, ist nicht automatisch unabhängig von ausländischen Komponenten. Entscheidend wäre, ob sich kritische Teile dauerhaft beschaffen, in gleichbleibender Qualität fertigen und bei Ausfällen ersetzen lassen. Selbst eine erfolgreiche Erstmontage beantwortet diese Fragen noch nicht.Gelingt es chinesischen Maschinenbauern, ihre Systeme schrittweise in heimischen Fabriken zu etablieren, entsteht allerdings ein wichtiger Vorteil: praktische Rückmeldung. Jeder Einsatz kann zeigen, welche Komponenten verschleißen, welche Korrekturen erforderlich sind und wo Produktivität verloren geht. Diese Lernprozesse könnten langfristig schwerer wiegen als einzelne spektakuläre Demonstrationen. Voraussetzung bleibt, dass die Anlagen den Betrieb tatsächlich unterstützen und nicht dauerhaft durch unzuverlässige Ergebnisse belasten.Exportkontrollen gewinnen Zeit, nicht GewissheitDie Exportbeschränkungen haben den Zugang Chinas zu modernster Lithografietechnik erheblich erschwert. ASML bekräftigte im Juni 2026, niemals EUV-Systeme oder eigens dafür entwickelte Komponenten nach China geliefert zu haben. Das ist zugleich eine wichtige Grenze der Debatte: Ein chinesisches Entwicklungsprojekt ist nicht mit einer nachgewiesenen Lieferung vollständiger ASML-EUV-Anlagen gleichzusetzen.Strategisch lassen sich aus dieser Lage zwei unterschiedliche Wirkungen ableiten. Fehlender Zugang zu Spitzentechnik kann Fortschritte verzögern und die Kosten der Aufholjagd erhöhen. Zugleich wächst der Anreiz, eigene Lösungen zu finanzieren und heimische Lieferanten auch dann zu erproben, wenn deren Produkte zunächst weniger leistungsfähig sind.Daraus folgt weder, dass Exportkontrollen wirkungslos wären, noch, dass sie einen technologischen Vorsprung dauerhaft garantieren könnten. Ihr langfristiger Nutzen hängt auch davon ab, wie die gewonnene Zeit eingesetzt wird. Eine Industrie, die ihre eigenen Entwicklungsprogramme vernachlässigt, lässt sich nicht allein durch Beschränkungen für Wettbewerber absichern.ASML steht nicht vor dem ZusammenbruchDie aktuellen Geschäftszahlen passen jedenfalls nicht zum Bild eines Konzerns, dessen Position bereits zusammengebrochen wäre. Im zweiten Quartal 2026 erzielte ASML rund 9,3 Milliarden Euro Umsatz und 2,9 Milliarden Euro Nettogewinn. Im Juli hob das Unternehmen seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr auf 43 bis 45 Milliarden Euro an. Die Nachfrage wird wesentlich durch Investitionen in Rechenleistung und Speicher für künstliche Intelligenz getragen.Am 8. September 2026 begann ASML zudem mit dem Bau eines neuen Produktionscampus bei Eindhoven. Die erste Ausbaustufe soll bis 2029 zusätzliche Büros, Logistikflächen und Reinräume schaffen. Der Konzern erweitert damit seine industrielle Basis, statt sich auf die Verteidigung vorhandener Kapazitäten zu beschränken.Diese Entwicklung widerlegt chinesische Fortschritte nicht. Sie zeigt aber, weshalb zwei Zeithorizonte getrennt betrachtet werden müssen. Ein Unternehmen kann heute hohe Gewinne erzielen und zugleich vor einem ernsthaften langfristigen Wettbewerbsrisiko stehen. Umgekehrt ist ein potenzieller Konkurrent noch keine Erklärung für einen bereits eingetretenen Machtwechsel.Hinzu kommt, dass ASML seine Technik weiterentwickelt. Die High-NA-EUV-Generation vergrößert die numerische Apertur des optischen Systems von 0,33 auf 0,55 und ermöglicht eine höhere Auflösung. Sie soll besonders anspruchsvolle Strukturen mit weniger aufwendigen Prozessfolgen herstellen helfen. China arbeitet damit nicht auf ein unveränderliches Ziel hin: Während neue Anbieter frühere Hürden überwinden, verschiebt sich die technologische Spitze weiter.Woran sich der Durchbruch messen mussFür die weitere Entwicklung zählen deshalb weniger Ankündigungen als überprüfbare Ergebnisse. Entscheidend wäre zunächst, ob ein chinesisches EUV-System tatsächlich funktionsfähige Chips mit den vorgesehenen Eigenschaften herstellen kann. Danach müssten sich Qualität, Geschwindigkeit und Verfügbarkeit über längere Produktionsläufe bewähren. Schließlich wäre zu zeigen, dass sich solche Maschinen nicht nur einmal bauen, sondern wiederholt liefern und zuverlässig betreuen lassen.Erst dieses Gesamtbild würde einen belastbaren Vergleich mit ASML erlauben. Es müsste auch den Aufwand für Wartung, Verbrauchsmaterialien, Ersatzteile und Ausschuss berücksichtigen. Ein niedrigerer Kaufpreis wäre wenig wert, wenn eine Anlage häufiger ausfällt oder pro brauchbarem Chip wesentlich mehr Ressourcen verbraucht.Chinas Fortschritte sollten deshalb weder kleingeredet noch zum vollendeten Sieg erklärt werden. Eine technisch eigenständige Alternative könnte die Kräfteverhältnisse der Halbleiterindustrie verändern, auch ohne ASML sofort weltweit zu verdrängen. Ein großer Teil ihrer strategischen Wirkung läge bereits darin, chinesischen Herstellern eine verlässliche zweite Option zu verschaffen.Noch ist diese Option bei EUV nicht als kommerziell ausgereiftes Angebot belegt. Der eigentliche Haken liegt somit nicht hinter dem Durchbruch, sondern mitten darin: Zwischen einem Prototyp und industrieller Unabhängigkeit steht die Fähigkeit, Präzision dauerhaft in wirtschaftliche Produktion zu übersetzen. Für China ist das die nächste Bewährungsprobe. Für ASML wäre erst deren erfolgreiche Bewältigung der Beginn einer grundlegend anderen Wettbewerbslage.