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Papst Leo XIV. hat am ersten Tag seines Frankreich-Besuchs eindringlich vor Risiken neuer Technologien wie der Künstlichen Intelligenz (KI) gewarnt. Es müsse sichergestellt werden, dass diese Technologien "dem Menschen dienen und nicht zu einem Instrument der Beherrschung und Ungerechtigkeit werden", sagte der Papst am Freitag am Sitz der UN-Kulturorganisation Unesco in Paris. Bei seiner Fahrt durch die Hauptstadt im Papamobil wurde der Papst von zahlreichen Menschen mit Jubel begrüßt.
In seiner Rede vor der Unesco verwies der Papst auf widersprüchliche Folgen der neuen Technologien. "Heute verfügen wir über Mittel, Menschen und Kontinente augenblicklich miteinander zu verbinden. Gleichzeitig erleben wir neue Formen der Isolation, der materiellen und geistigen Armut und des Verlassenseins", sagte das katholische Kirchenoberhaupt. Ohne eine gemeinsame ethische Grundlage drohten die modernen Kommunikationskanäle, Falschinformationen zu vervielfachen.
Künstliche Intelligenz verstärke diese Probleme, führte der Papst aus. Einen Schwerpunkt legte er dabei auf den Schutz junger Menschen. Die internationale Gemeinschaft müsse "dem Schutz von Kindern und Jugendlichen im digitalen Zeitalter besondere Aufmerksamkeit widmen". Ihre Verletzlichkeit dürfe nicht ausgebeutet werden. Die neuen Technologien sollten vielmehr ihre Bildung und ihre Beziehungen unterstützen und dabei der Würde des Menschen dienen.
Schon bei einer Ansprache am Vormittag im Elysée-Palast hatte der Papst davor gewarnt, "unsere Menschheit nicht im 'Paradies der Maschinen' zu verlieren, die sich in unseren Alltag breitmachen und ihn zunehmend bestimmen".
Leo XIV. rief zudem zu einer Stärkung internationaler Institutionen auf. Angesichts von "Fehlentwicklungen" sei es nötig, wieder "das Vertrauen zu stärken, "dass Unterschiede keine Bedrohung bedeuten". Damit spielte der Pontifex wohl auch auf die Entscheidung von US-Präsident Donald Trump für den Austritt aus der Unesco und dessen generelles Misstrauen gegenüber multilateralen Institutionen an. Leo XIV. ist gebürtiger US-Amerikaner und hat auch die peruanische Staatsangehörigkeit.
Der Papst war am Freitagmorgen unter Glockengeläut der Pariser Kirchen zu seinem viertägigen Besuch in Frankreich eingetroffen. Am Vormittag warnte er vor Vertretern aus Politik und Zivilgesellschaft im Elysée-Palast vor einem "neuen, schwer kontrollierbaren Wettrüsten".
Derzeit verbreite sich "zunehmend die irrige Überzeugung, der Besitz von Atomwaffen sei eine Garantie für Sicherheit", sagte der Papst - wohl mit Bedacht in dem einzigen Land der EU, das Atomwaffen besitzt und deren Zahl weiter erhöhen will. Frieden sei "kein Gleichgewicht der Kräfte", sondern werde täglich durch Dialog und Gerechtigkeit geschaffen, betonte der Pontifex.
Leo XIV. dankte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron für dessen Einsatz für die Restaurierung der brandgeschädigten Pariser Kathedrale Notre-Dame. Der Papst suchte Notre-Dame dann am späten Nachmittag für eine Vesper mit Priestern und Ordensleuten auf, nachdem er mit dem Papamobil rund zweieinhalb Kilometer zurückgelegt hatte.
Auf dem Vorplatz der Kathedrale wurde der Papst begeistert empfangen, allerdings waren nicht alle Plätze besetzt. Auch bei seinem Einzug in die hell erleuchtete gotische Kathedrale gab es Beifall.
Zum Abschluss des Tages wollte der Papst an einem Gebetstreffen mit 80.000 jungen Menschen im Stade de France teilnehmen. Für Samstag steht eine Messe von Leo XIV. auf der Place de la Concorde auf dem Programm, zu der 600.000 Menschen erwartet werden. Am Sonntag will der Papst den Pilgerort Lourdes und am Montag die Stadt Metz besuchen. In Metz will Leo XIV. eine politische Rede halten, zu der Macron die Staats- und Regierungschefs der EU eingeladen hat.
U.Siddiqui--DT