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Ob durch Krankheit, Trennung oder Jobverlust: Die Zahl der überschuldeten Menschen in Deutschland steigt. Wie aus dem neuen Überschuldungsreport des Hamburger Instituts für Finanzdienstleistungen (iff) hervorgeht, waren im vergangenen Jahr rund 5,67 Millionen Erwachsene überschuldet – 111.000 mehr als 2024. Besonders betroffen sind demnach Alleinerziehende. Für junge Erwachsene birgt vor allem der digitale Konsum ein Risiko.
Das iff erstellt den von der Stiftung "Deutschland im Plus" geförderten Überschuldungsreport jedes Jahr und stützt sich dafür auf Angaben von Schuldnerberatungsstellen in ganz Deutschland. Als überschuldet gelten dabei diejenigen, die nicht in der Lage sind, ihre Schulden zu bezahlen - selbst wenn sie ihren Lebensstandard senken.
Für den aktuellen Report, der der Nachrichtenagentur AFP am Freitag vorlag, wurden 224.768 Beratungsfälle aus den Jahren 2015 bis 2025 ausgewertet, darunter 36.480 Fälle mit Beratungsbeginn im Jahr 2025. Die mittlere Schuldenhöhe der analysierten Beratungsfälle lag im vergangenen Jahr bei gut 19.000 Euro.
Wie das iff und die Stiftung erklärten, sind finanzielle Notlagen nur selten auf eine einzige Ursache zurückzuführen. Krankheit, Arbeitslosigkeit und andere persönliche Krisen träfen "häufig auf Haushalte, deren finanzieller Spielraum angesichts hoher Wohnkosten bereits gering ist".
Dennoch sind gesundheitliche Probleme wie bereits im Vorjahr der häufigste einzelne Auslöser einer Überschuldung: Krankheit, Sucht oder Unfall stehen bei 17,8 Prozent der ausgewerteten Fälle an erster Stelle. Es folgen Arbeitslosigkeit beziehungsweise reduzierte Erwerbsarbeit mit 14,9 Prozent. Gescheiterte Selbstständigkeit macht 9,9 Prozent der Fälle aus, Konsumverhalten 9,5 Prozent, Einkommensarmut 9,1 Prozent sowie Scheidung und Trennung 8,8 Prozent.
Der Überschuldungsreport zeige, "dass finanzielle Not in den meisten Fällen nicht Folge von Leichtsinn oder mangelnder Disziplin ist", erklärte der Vorstandschef der auf Überschuldungsprävention spezialisierten Stiftung, Philipp Blomeyer. "Krankheit, Jobverlust oder eine Trennung können die finanzielle Situation eines Haushalts innerhalb kurzer Zeit grundlegend verändern."
Ein überdurchschnittlich hohes Überschuldungsrisiko haben Alleinerziehende. Sie stellen dem Report zufolge 14,4 Prozent der Ratsuchenden, wobei vier von fünf davon Mütter sind. Damit seien alleinerziehende Mütter fast doppelt so häufig vertreten, wie es ihrem Anteil an der Gesamtbevölkerung entspricht. Bei Alleinerziehenden mit drei oder mehr Kindern liege die Überrepräsentation sogar beim Siebenfachen.
Eine weitere Besonderheit gibt es demnach bei jungen Erwachsenen unter 25 Jahren, die die Beratungsstellen aufsuchen. Denn bei ihren Geldsorgen sind mit 17,7 Prozent Verbindlichkeiten gegenüber Telekommunikationsunternehmen der wichtigste Auslöser - beispielsweise Ratenzahlungen für Smartphones, In-App-Käufe oder Streaming-Abonnements. Auch Schulden bei Onlinehändlern und Ratenkredite spielen eine Rolle.
Laut Überschuldungsreport sind über alle Altersgruppen hinweg Ratenkredite mit einem Anteil von 21,8 Prozent weiterhin die häufigste Forderungsart. Damit gewinne auch die neue EU-Verbraucherkreditrichtlinie an Bedeutung, erklärten das iff und die Stiftung "Deutschland im Plus". Mit den neuen Vorgaben werden ab November unter anderem bestimmte Buy-Now-Pay-Later-Angebote stärker reguliert und die Anforderungen an Kreditwürdigkeitsprüfungen verschärft. Zudem sollen Kreditgeber Menschen mit finanziellen Problemen konsequenter an Schuldnerberatungsstellen verweisen.
I.Khan--DT