Dubai Telegraph - Kiew wieder in Putins Visier

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Kiew wieder in Putins Visier




Russland verschärft den Druck auf die ukrainische Hauptstadt. Zugleich warnt Kiew vor möglichen neuen Angriffsplänen aus dem Norden. Doch zwischen einem militärischen Szenario und einer unmittelbar bevorstehenden Großoffensive liegt ein entscheidender Unterschied. Die akute Gefahr zeigt sich derzeit vor allem am Himmel und an den Lebensadern der Stadt.

Am 8. September trafen russische Drohnen und Raketen erneut Kiew. Nach Angaben der Stadtführung wurden fünf Menschen getötet; der Katastrophenschutz meldete 35 Verletzte. Beschädigt wurden unter anderem Wohnhäuser, eine Schule, eine medizinische Einrichtung und Lagergebäude. Den Angriffen war eine kurze Unterbrechung während des Besuchs amerikanischer Unterhändler vorausgegangen. Kaum war diese vorbei, kehrten Explosionen und Brände zurück. Für die Bewohner bedeutete das nicht die Ankündigung einer möglichen Eskalation, sondern die Fortsetzung eines bereits tödlichen Luftkriegs.

Damit erhält die Frage nach einer neuen russischen Offensive gegen die Hauptstadt zusätzliche Brisanz. Sie verlangt allerdings eine genaue Unterscheidung: Raketenangriffe auf Kiew, militärische Planungen für eine Nordfront und der tatsächliche Aufmarsch einer Invasionsarmee sind drei unterschiedliche Vorgänge. Wer sie gleichsetzt, beschreibt die Bedrohung nicht präziser, sondern verwischt ihre Konturen.

Angriffspläne aus dem Norden
Den konkreten Anlass für die jüngsten Warnungen lieferte am 28. August Pawlo Palissa, der stellvertretende Leiter des ukrainischen Präsidialamts. Nach seinen Angaben hatte die russische Militärführung den Auftrag erhalten, mehrere Operationsvarianten für den Norden der Ukraine auszuarbeiten. Dabei seien insbesondere die Richtungen Kiew und Tschernihiw betrachtet worden. Palissa erklärte, die Informationen seien über mehrere nachrichtendienstliche Zugänge überprüft worden. Der ukrainische Generalstab habe seinerseits mögliche Gegenmaßnahmen vorbereitet.

Derselbe Bericht enthielt jedoch eine wesentliche Einschränkung: Neue russische Angriffsgruppierungen in diesen Richtungen wurden zu diesem Zeitpunkt nicht festgestellt. Auch Anfang September beschrieben ukrainische Militärvertreter keine ungewöhnliche Konzentration von Kräften in den beobachteten Abschnitten. Damit liegt eine ernst zu nehmende ukrainische Warnung vor, aber kein öffentlich gesicherter Nachweis, dass eine große Bodenoffensive gegen Kiew unmittelbar beginnt.

Der Unterschied ist militärisch grundlegend. Ein Generalstab kann mehrere Möglichkeiten untersuchen, ohne dass die politische Führung eine davon zur Durchführung freigibt. Umgekehrt wäre es fahrlässig, solche Planungen allein deshalb abzutun, weil ihre Umsetzung noch nicht sichtbar ist. Vorbereitung auf ein Risiko und Gewissheit über dessen Eintritt sind nicht dasselbe.

Was für einen Angriff fehlt
Für einen neuen Vorstoß aus dem Norden müsste Russland zusätzliche Kräfte bereitstellen oder bestehende Verbände von anderen Frontabschnitten abziehen. Beides hätte Konsequenzen. Neu aufgestellte Einheiten benötigen Ausbildung, Ausrüstung und funktionierende Führung. Eine Verlegung erfahrener Truppen wiederum könnte den Druck an anderen Stellen verringern. Eine neue Angriffsrichtung wäre daher nicht einfach eine Erweiterung auf der Landkarte, sondern eine Entscheidung über knappe militärische Ressourcen.

Zum Personal kämen die Voraussetzungen für einen längeren Einsatz: Munition, Treibstoff, Instandsetzung, Transportkapazitäten und medizinische Versorgung. Entscheidend wäre nicht allein, ob Soldaten nahe der Grenze erscheinen, sondern ob hinter ihnen eine belastbare Versorgungsstruktur entsteht. Ein Truppenaufmarsch ohne ausreichenden Nachschub wäre noch keine tragfähige Grundlage für eine Operation gegen eine Millionenstadt.

Belarus bleibt dabei besonders relevant. Von seinem Staatsgebiet aus griffen russische Verbände 2022 die Nordukraine an. Ein erneuter Angriff über diese Richtung würde die Frage nach russischen Truppenverlegungen und ihrer Versorgung auf belarussischem Boden wieder in den Mittelpunkt rücken. Anfang September war eine entsprechende neue Angriffsgruppe öffentlich nicht nachgewiesen. Das begrenzt die Aussagekraft zugespitzter Ankündigungen, beseitigt aber nicht die Notwendigkeit, die Entwicklung weiter zu beobachten.

Druck auch ohne Vormarsch
Eine Bedrohung aus dem Norden könnte Moskau auch dann nützen, wenn der große Angriff ausbleibt. Die Ukraine müsste abwägen, welche Kräfte sie zum Schutz der Hauptstadt zurückhält und welche sie an bereits umkämpften Frontabschnitten einsetzt. Jede Reserve kann nur einmal verplant werden. Gerade darin liegt die mögliche Wirkung einer glaubhaften Drohung: Sie kann militärische Entscheidungen des Gegners beeinflussen, bevor eine zusätzliche Front tatsächlich entsteht.

Allerdings wäre auch diese Strategie kein kostenloser Erfolg. Eine Drohung, die dauerhaft ohne erkennbare Vorbereitung bleibt, verliert an Gewicht. Ein wirklicher Aufmarsch wiederum bindet auf russischer Seite Personal und Material. Die militärische Führung müsste deshalb zwischen dem Nutzen der Einschüchterung und dem Aufwand ihrer Glaubwürdigkeit abwägen.

Die Lage im Osten liefert keinen einfachen Beleg für eine unmittelbar verfügbare russische Übermacht. Bis zum 12. September hatten ukrainische Gegenangriffe nördlich von Lyman russische Stellungen zurückgedrängt und dortige Umfassungspläne erschwert. Gleichzeitig blieben andere Frontabschnitte stark umkämpft. Solche Entwicklungen sprechen gegen die Vorstellung, Russland könne ohne Weiteres eine zusätzliche Großoperation beginnen. Sie erlauben aber ebenso wenig die Schlussfolgerung, Moskau habe seine Angriffsmöglichkeiten verloren.

Der Luftkrieg verschärft sich
Für Kiew besteht die unmittelbar nachweisbare Gefahr derzeit vor allem aus der Luft. Russland setzte zuletzt auch schnellere, strahlgetriebene Drohnen ein und dehnte Angriffe auf den Tag aus. Die Bedrohung beschränkt sich damit immer weniger auf einzelne nächtliche Angriffswellen. Für eine Großstadt bedeutet das, dass Arbeitswege, Lieferungen und öffentliche Abläufe wiederholt unterbrochen werden können.

Am 11. September trafen russische Drohnen zwei Tankstellen in Kiew. Ukrainische Stellen meldeten zwei Tote. Bereits am Vortag war eine Tankstelle in der Hauptstadt angegriffen worden. Diese Ereignisse zeigen, wie unmittelbar der Luftkrieg in alltägliche Versorgungsabläufe eingreift. Eine Tankstelle ist nicht nur ein wirtschaftlicher Betrieb, sondern Teil eines Netzes, von dem private Mobilität, Lieferdienste und zahlreiche berufliche Fahrten abhängen.

Aus solchen Angriffen lässt sich keine bestimmte Bodenoperation ableiten. Sie können die Versorgung schwächen, Menschen einschüchtern und die Abwehr unter Druck setzen, ohne einem unmittelbar folgenden Vormarsch zu dienen. Genau deshalb wäre es irreführend, jede neue Angriffswelle als Beweis für einen bevorstehenden Sturm auf Kiew zu behandeln. Ihre tatsächliche Wirkung ist auch ohne diese Deutung schwerwiegend.

Ein Krieg gegen Versorgung
Der Druck auf die Hauptstadt steht zugleich in einem größeren Zusammenhang. Am 12. September meldete die ukrainische Bahn Angriffe auf Züge in Luzk und Fastiw. Am 13. September wurde ein Lastwagen nahe dem ukrainisch-polnischen Grenzübergang Jahodyn–Dorohusk getroffen. Der Grenzverkehr wurde vorübergehend unterbrochen. Russland erklärte, Infrastruktur für militärische Lieferungen angegriffen zu haben.

Für die Bewertung solcher Angriffe müssen behauptete Zielsetzung und tatsächlich festgestellte Folgen getrennt bleiben. Dass Moskau einen militärischen Zweck nennt, beantwortet nicht automatisch die Frage, welche Menschen und Einrichtungen getroffen wurden. Umgekehrt macht die Bedeutung eines Transportweges für die Versorgung der Ukraine deutlich, warum Schäden weit über den unmittelbaren Einschlagsort hinauswirken können.

Eine unterbrochene Bahnverbindung betrifft mehr als eine Fahrt. Sie kann Umwege, Verzögerungen und zusätzliche Belastungen anderer Strecken verursachen. Beschädigte Betriebe verlieren Produktionszeit; ausgefallene Versorgungsanlagen müssen repariert oder ersetzt werden. In der Summe entsteht Druck auf die Handlungsfähigkeit des Staates, auch wenn die Bodenfront an einem bestimmten Tag kaum Bewegung zeigt.

Der Winter erhöht den Druck
Mit Blick auf die kommenden Monate gewinnt der Schutz der Infrastruktur weiter an Bedeutung. Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius kündigte am 8. September zusätzliche Patriot-Abfangraketen des Typs PAC-2 aus deutschen Beständen an. Zugleich warnte er vor einer möglichen Intensivierung russischer Angriffe auf die ukrainische Infrastruktur vor dem Winter.

Für die Ukraine stellt sich damit eine doppelte Aufgabe. Sie muss akute Angriffe abwehren und zugleich dafür sorgen, dass beschädigte Anlagen nicht dauerhaft ausfallen. Luftverteidigung und Versorgungssicherheit lassen sich dabei nicht gegeneinander ausspielen: Ein funktionierender Reparaturdienst ersetzt keinen Schutz vor dem nächsten Treffer, und ein Abwehrsystem macht Ersatzteile oder Notversorgung nicht entbehrlich.

Politisch besteht die Gefahr, dass sich die öffentliche Aufmerksamkeit fast ausschließlich auf die spektakuläre Frage eines neuen Vormarschs auf Kiew richtet. Der weniger sichtbare Verschleiß von Infrastruktur und Alltag kann jedoch schon vorher erhebliche Folgen haben. Eine Stadt muss nicht eingeschlossen sein, damit ihre Bewohner unter Unsicherheit, wiederkehrenden Unterbrechungen und wachsenden Belastungen leiden.

Diplomatie unter Beschuss
Die erneuten Angriffe nach dem Besuch amerikanischer Unterhändler verdeutlichen zudem die Grenzen punktueller Gesprächserfolge. Die kurze Unterbrechung der Angriffe auf die Hauptstädte war keine umfassende Waffenruhe. Sie schuf ein begrenztes Zeitfenster für Diplomatie, aber keinen dauerhaften Schutz der Bevölkerung.

Für die Bewertung möglicher Verhandlungen ist deshalb nicht allein entscheidend, ob Delegationen reisen und weitere Treffen angekündigt werden. Maßgeblich wäre, ob sich überprüfbare Veränderungen ergeben: weniger Angriffe, verlässliche Vereinbarungen und deren tatsächliche Einhaltung. Eine militärische Entspannung lässt sich nicht aus dem Terminkalender der Diplomatie ablesen.

Auch die Drohung mit einer neuen Nordfront könnte als zusätzlicher Verhandlungsdruck wirken. Das bleibt eine mögliche strategische Funktion, kein nachgewiesener Operationszweck. Eine nüchterne Analyse muss diese Grenze ebenso wahren wie die zwischen einem vorbereiteten Szenario und einem erteilten Angriffsbefehl.

Gefahr ist nicht Gewissheit
Kiew steht unter realem, verschärftem Druck. Die jüngsten Luftangriffe, die Treffer auf Versorgungseinrichtungen und die ukrainischen Warnungen vor russischen Operationsplanungen rechtfertigen große Aufmerksamkeit. Sie rechtfertigen jedoch nicht, den Beginn einer neuen Bodenoffensive als feststehende Tatsache auszugeben.

Nach dem bis zum 13. September öffentlich überprüfbaren Stand ist eine unmittelbar bevorstehende Großoffensive auf die Hauptstadt nicht belastbar belegt. Für eine solche Bewertung wären zusätzliche Hinweise auf tatsächlich bereitgestellte Kräfte, ihre Einsatzvorbereitung und eine tragfähige Versorgung notwendig. Die ukrainische Warnung ist ernst zu nehmen; ihre vorsichtige Form darf aber nicht nachträglich in Gewissheit verwandelt werden.

Die Gefahr für Kiew beginnt nicht erst dann, wenn sich eine neue russische Angriffskolonne in Bewegung setzt. Sie besteht bereits in den Angriffen auf die Stadt und ihre Versorgung. Gerade deshalb braucht ihre Beschreibung keine unbelegte Dramatisierung. Entscheidend ist, was Russland nachweislich tut, welche weiteren Möglichkeiten es vorbereitet und ob die Ukraine die Mittel erhält, beidem zu begegnen.



Vorgestellt


WakeBASE-Sprung vom Dubai Infinity Pool

Das Projekt mit dem Namen "WakeBASE" beinhaltete eine einzigartige Kombination aus Drohnen-Wakeskating und BASE-Jumping.Schauplatz dieses Kunststücks war das Address Beach Resort in Dubai, dessen Infinity-Pool 294 Meter über dem Meeresspiegel liegt und damit den Guinness-Weltrekord hält.Grubbs Herausforderung begann mit einem 94 Meter langen Wakeskating über den Pool auf dem Dach, wobei er von einer speziell entwickelten Drohne gezogen wurde.Der Stunt gipfelte in einem BASE-Sprung vom Rand des Pools, bei dem Grubb 77 Stockwerke hinabsprang, bevor er erfolgreich am Strand landete. Diese Leistung war die Verwirklichung von Grubbs siebenjährigem Traum und ein historischer Meilenstein im Extremsport.Um sich auf "WakeBASE" vorzubereiten, unterzog sich Grubb einem rigorosen Training mit der BASE-Sprunglegende Miles Daisher.Obwohl er im Dezember 2022 erst 26 BASE-Sprünge absolviert hatte, absolvierte Grubb 106 Sprünge während seines Trainings, das in Idaho, USA, und Lauterbrunnen, Schweiz, einem renommierten BASE-Sprungort, stattfand.Das Projekt umfasste auch eine Partnerschaft mit Prada, das maßgeschneiderte, für die Anforderungen von Wakeskating und BASE-Jumping optimierte Kleidung zur Verfügung stellte.Die Drohne, die bei diesem Stunt zum Einsatz kam, wurde von einem Team unter der Leitung von Sebastian Stare mit spezieller Hard- und Software entwickelt, die auf die Anforderungen von "WakeBASE" zugeschnitten ist.Die Wahl des Address Beach Resorts in Dubai war von strategischer Bedeutung, da der hohe Infinity-Pool und das architektonische Layout sowohl für den Wakeskate-Lauf als auch für den BASE-Sprung ideal waren.

Lass dich von Dubai und seinem Zauber überraschen

Lass dich von Dubai und seinem Zauber überraschen

Chinas Angriff auf ASML

China macht Fortschritte beim Aufbau eigener Maschinen für die Chipfertigung. Doch ein EUV-Prototyp ist noch kein Ersatz für die Anlagen des niederländischen Marktführers. Entscheidend ist nicht allein, ob die Technik funktioniert, sondern ob sie zuverlässig und wirtschaftlich produziert.Kaum ein Unternehmen verkörpert die technologische Abhängigkeit der chinesischen Halbleiterindustrie so deutlich wie ASML. Der niederländische Konzern liefert die Maschinen, mit denen sich besonders anspruchsvolle Strukturen moderner Computerchips in industriellen Stückzahlen fertigen lassen. Seine EUV-Anlagen sind deshalb weit mehr als Investitionsgüter: Sie stehen im Zentrum eines Wettbewerbs um wirtschaftliche Macht, künstliche Intelligenz und technologische Eigenständigkeit.China will diese Abhängigkeit überwinden. Fortschritte bei eigenen Belichtungssystemen machen das Vorhaben greifbarer. Die Behauptung, ASMLs schlimmster Albtraum sei bereits Wirklichkeit geworden, geht allerdings zu weit. Ein ernst zu nehmender Herausforderer entsteht nicht mit dem ersten gelungenen Experiment. Er entsteht, wenn Kunden dessen Maschinen dauerhaft in ihre Fertigung integrieren können. Genau dort liegt der Haken hinter Chinas vermeintlichem Triumph.Der Prototyp und die entscheidende LückeIn Shenzhen soll Anfang 2025 ein chinesischer EUV-Prototyp fertiggestellt worden sein, der entsprechendes Licht erzeugen konnte. Ende 2025 hatte die Anlage jedoch noch keine funktionsfähigen Chips hergestellt. Als Entwicklungsziel wurde 2028 genannt; zugleich stand 2030 als vorsichtigere Einschätzung im Raum. Beide Jahreszahlen bezeichnen Erwartungen, keine erreichte Serienreife.Der Unterschied ist fundamental. Ein Versuchsaufbau kann zeigen, dass bestimmte technische Komponenten zusammenarbeiten. Eine Produktionsmaschine muss dagegen unter wechselnden Bedingungen berechenbare Ergebnisse liefern. Sie muss präzise bleiben, Wartungsintervalle überstehen und nach einem Eingriff wieder dieselbe Qualität erreichen. Ihre Leistungsfähigkeit bemisst sich nicht an einem besonders gelungenen Test, sondern an einer langen Folge reproduzierbarer Ergebnisse.Auch erste funktionsfähige Chips wären deshalb noch kein Beweis für wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit. Eine Fabrik braucht nicht nur einzelne erfolgreiche Bauteile. Sie braucht eine ausreichend hohe Ausbeute, also einen tragfähigen Anteil einwandfreier Chips an der gesamten Produktion. Bleibt dieser Anteil zu niedrig, verteilen sich die Herstellungskosten auf zu wenige verkäufliche Produkte. Eine technisch beeindruckende Anlage kann dadurch wirtschaftlich unbrauchbar bleiben.Warum das Licht allein nicht genügtEUV steht für extrem ultraviolette Strahlung. Die Lithografie arbeitet dabei mit einer Wellenlänge von 13,5 Nanometern. In ASMLs Systemen treffen leistungsstarke Laserpulse auf winzige Zinntropfen. Das entstehende Plasma emittiert das benötigte Licht, mit dem sich über eine strukturierte Maske feinste Muster auf eine lichtempfindliche Schicht des Siliziumwafers übertragen lassen.Doch dieses Licht lässt sich nicht wie in einem gewöhnlichen optischen Gerät durch Glaslinsen führen. Bereits Luft absorbiert die Strahlung. Der Strahlengang muss daher im Vakuum liegen; hochpräzise Mehrschichtspiegel übernehmen die optische Führung. Lichtquelle, Spiegel, Maske und die Positionierung des Wafers müssen als ein einziges System funktionieren.An dieser Stelle beginnt die eigentliche industrielle Schwierigkeit. Wärme verändert die Eigenschaften optischer Komponenten. Winzige Verschiebungen können die Deckung aufeinanderfolgender Strukturen beeinträchtigen. Verunreinigungen und Abbildungsfehler können Defekte verursachen. Sensoren, Messverfahren und Korrektursoftware müssen solche Einflüsse erkennen und ausgleichen. Es reicht nicht, jede Baugruppe für sich zu beherrschen; die Präzision muss im laufenden Betrieb erhalten bleiben.ASMLs Vorsprung besteht somit nicht nur aus einem Bauplan. Er steckt ebenso in Fertigungsprozessen, Messdaten, Wartungserfahrung und der Abstimmung mit den Chipproduzenten. Wer eine vergleichbare Anlage entwickeln will, muss dieses Zusammenspiel aufbauen. Gerade Erfahrungen aus dem Fabrikbetrieb lassen sich nicht vollständig durch zusätzliche Laborversuche ersetzen.Der nähere Angriff erfolgt über DUVNeben dem EUV-Projekt gewinnt Chinas Entwicklung eigener DUV-Anlagen an Bedeutung. Huawei unterstützt den Aufbau heimischer Ausrüstung und Zulieferer. Das Unternehmen Yuliangsheng arbeitet an entsprechenden Belichtungssystemen, die bei chinesischen Chipproduzenten erprobt werden. Für Ende 2026 steht das Ziel von zwölf Maschinen im Raum. Zugleich bleiben chinesische Hersteller in erheblichem Umfang auf ASML-Technik angewiesen.DUV und EUV dürfen dabei nicht verwechselt werden. Moderne ArF-DUV-Systeme nutzen Licht mit einer Wellenlänge von 193 Nanometern. Durch aufwendige Mehrfachstrukturierung lassen sich damit wesentlich feinere Strukturen erzeugen, als eine einzelne Belichtung erlauben würde. Ein komplexes Muster wird dazu in mehrere einfachere Muster zerlegt, deren Übertragung und weitere Verarbeitung sorgfältig aufeinander abgestimmt werden müssen.Dieser Weg eröffnet technische Möglichkeiten, verlangt aber zusätzliche Prozessschritte und besonders genaue Ausrichtung. Die höhere Komplexität kann die Fertigungsdauer verlängern, Kosten steigern und weitere Fehlerquellen schaffen. Ob das Verfahren wirtschaftlich trägt, hängt vom konkreten Chip und vom beherrschten Produktionsprozess ab. Die Existenz eines leistungsfähigen Prozessors verrät daher noch nicht, wie teuer oder aufwendig seine Herstellung war.Für ASML könnte ein konkurrenzfähiges chinesisches DUV-Angebot dennoch früher spürbar werden als ein EUV-Konkurrent. DUV bleibt auch in modernen Fabriken für zahlreiche Schichten notwendig. Ein heimischer Anbieter müsste deshalb nicht sofort die anspruchsvollsten Anwendungen übernehmen, um Geschäft zu gewinnen. Bereits verlässliche Maschinen für einen Teil der Produktion könnten Abhängigkeiten verringern und den Einstieg in größere Aufträge erleichtern.Eine eigene Maschine ist noch keine eigene LieferketteDie Vorstellung, China müsse lediglich eine niederländische Maschine nachbauen, unterschätzt die Aufgabe. Ein Belichtungssystem vereint hochspezialisierte Optik, Lichtquellen, Präzisionsmechanik, Steuerung und Software. Für den Produktionsbetrieb kommen Verbrauchsmaterialien, Ersatzteile, Prüftechnik und qualifiziertes Servicepersonal hinzu. Eine Schwachstelle kann die Leistung des gesamten Systems begrenzen.Daraus folgt ein strengerer Maßstab für technologische Unabhängigkeit. Eine Anlage, die an einem chinesischen Standort zusammengebaut wird, ist nicht automatisch unabhängig von ausländischen Komponenten. Entscheidend wäre, ob sich kritische Teile dauerhaft beschaffen, in gleichbleibender Qualität fertigen und bei Ausfällen ersetzen lassen. Selbst eine erfolgreiche Erstmontage beantwortet diese Fragen noch nicht.Gelingt es chinesischen Maschinenbauern, ihre Systeme schrittweise in heimischen Fabriken zu etablieren, entsteht allerdings ein wichtiger Vorteil: praktische Rückmeldung. Jeder Einsatz kann zeigen, welche Komponenten verschleißen, welche Korrekturen erforderlich sind und wo Produktivität verloren geht. Diese Lernprozesse könnten langfristig schwerer wiegen als einzelne spektakuläre Demonstrationen. Voraussetzung bleibt, dass die Anlagen den Betrieb tatsächlich unterstützen und nicht dauerhaft durch unzuverlässige Ergebnisse belasten.Exportkontrollen gewinnen Zeit, nicht GewissheitDie Exportbeschränkungen haben den Zugang Chinas zu modernster Lithografietechnik erheblich erschwert. ASML bekräftigte im Juni 2026, niemals EUV-Systeme oder eigens dafür entwickelte Komponenten nach China geliefert zu haben. Das ist zugleich eine wichtige Grenze der Debatte: Ein chinesisches Entwicklungsprojekt ist nicht mit einer nachgewiesenen Lieferung vollständiger ASML-EUV-Anlagen gleichzusetzen.Strategisch lassen sich aus dieser Lage zwei unterschiedliche Wirkungen ableiten. Fehlender Zugang zu Spitzentechnik kann Fortschritte verzögern und die Kosten der Aufholjagd erhöhen. Zugleich wächst der Anreiz, eigene Lösungen zu finanzieren und heimische Lieferanten auch dann zu erproben, wenn deren Produkte zunächst weniger leistungsfähig sind.Daraus folgt weder, dass Exportkontrollen wirkungslos wären, noch, dass sie einen technologischen Vorsprung dauerhaft garantieren könnten. Ihr langfristiger Nutzen hängt auch davon ab, wie die gewonnene Zeit eingesetzt wird. Eine Industrie, die ihre eigenen Entwicklungsprogramme vernachlässigt, lässt sich nicht allein durch Beschränkungen für Wettbewerber absichern.ASML steht nicht vor dem ZusammenbruchDie aktuellen Geschäftszahlen passen jedenfalls nicht zum Bild eines Konzerns, dessen Position bereits zusammengebrochen wäre. Im zweiten Quartal 2026 erzielte ASML rund 9,3 Milliarden Euro Umsatz und 2,9 Milliarden Euro Nettogewinn. Im Juli hob das Unternehmen seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr auf 43 bis 45 Milliarden Euro an. Die Nachfrage wird wesentlich durch Investitionen in Rechenleistung und Speicher für künstliche Intelligenz getragen.Am 8. September 2026 begann ASML zudem mit dem Bau eines neuen Produktionscampus bei Eindhoven. Die erste Ausbaustufe soll bis 2029 zusätzliche Büros, Logistikflächen und Reinräume schaffen. Der Konzern erweitert damit seine industrielle Basis, statt sich auf die Verteidigung vorhandener Kapazitäten zu beschränken.Diese Entwicklung widerlegt chinesische Fortschritte nicht. Sie zeigt aber, weshalb zwei Zeithorizonte getrennt betrachtet werden müssen. Ein Unternehmen kann heute hohe Gewinne erzielen und zugleich vor einem ernsthaften langfristigen Wettbewerbsrisiko stehen. Umgekehrt ist ein potenzieller Konkurrent noch keine Erklärung für einen bereits eingetretenen Machtwechsel.Hinzu kommt, dass ASML seine Technik weiterentwickelt. Die High-NA-EUV-Generation vergrößert die numerische Apertur des optischen Systems von 0,33 auf 0,55 und ermöglicht eine höhere Auflösung. Sie soll besonders anspruchsvolle Strukturen mit weniger aufwendigen Prozessfolgen herstellen helfen. China arbeitet damit nicht auf ein unveränderliches Ziel hin: Während neue Anbieter frühere Hürden überwinden, verschiebt sich die technologische Spitze weiter.Woran sich der Durchbruch messen mussFür die weitere Entwicklung zählen deshalb weniger Ankündigungen als überprüfbare Ergebnisse. Entscheidend wäre zunächst, ob ein chinesisches EUV-System tatsächlich funktionsfähige Chips mit den vorgesehenen Eigenschaften herstellen kann. Danach müssten sich Qualität, Geschwindigkeit und Verfügbarkeit über längere Produktionsläufe bewähren. Schließlich wäre zu zeigen, dass sich solche Maschinen nicht nur einmal bauen, sondern wiederholt liefern und zuverlässig betreuen lassen.Erst dieses Gesamtbild würde einen belastbaren Vergleich mit ASML erlauben. Es müsste auch den Aufwand für Wartung, Verbrauchsmaterialien, Ersatzteile und Ausschuss berücksichtigen. Ein niedrigerer Kaufpreis wäre wenig wert, wenn eine Anlage häufiger ausfällt oder pro brauchbarem Chip wesentlich mehr Ressourcen verbraucht.Chinas Fortschritte sollten deshalb weder kleingeredet noch zum vollendeten Sieg erklärt werden. Eine technisch eigenständige Alternative könnte die Kräfteverhältnisse der Halbleiterindustrie verändern, auch ohne ASML sofort weltweit zu verdrängen. Ein großer Teil ihrer strategischen Wirkung läge bereits darin, chinesischen Herstellern eine verlässliche zweite Option zu verschaffen.Noch ist diese Option bei EUV nicht als kommerziell ausgereiftes Angebot belegt. Der eigentliche Haken liegt somit nicht hinter dem Durchbruch, sondern mitten darin: Zwischen einem Prototyp und industrieller Unabhängigkeit steht die Fähigkeit, Präzision dauerhaft in wirtschaftliche Produktion zu übersetzen. Für China ist das die nächste Bewährungsprobe. Für ASML wäre erst deren erfolgreiche Bewältigung der Beginn einer grundlegend anderen Wettbewerbslage.