Dubai Telegraph - Chinas Schatten über Mexiko

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Chinas Schatten über Mexiko




Washington blickt im Kampf gegen die mexikanischen Drogenkartelle längst nicht mehr nur auf die Grenze zu Mexiko. Die entscheidenden Spuren führen heute durch Chemiefabriken, Containerhäfen, Online-Marktplätze, Wechselstuben, Scheinfirmen und digitale Zahlungsnetze bis nach China. Was auf den Straßen amerikanischer Städte als Fentanylkrise sichtbar wird, ist das Endprodukt einer Liefer- und Finanzkette, die drei Wirtschaftsräume miteinander verbindet: Chinesische Hersteller und Vermittler liefern Ausgangsstoffe und Ausrüstung, mexikanische Kartelle produzieren und schmuggeln die Drogen, der amerikanische Markt liefert Nachfrage und Milliardengewinne.

Die zugespitzte These, China halte Mexikos Drogenkartelle am Leben, ist deshalb nicht völlig falsch, aber sie verlangt Präzision. Es gibt keinen öffentlich belegten Nachweis dafür, dass die chinesische Staatsführung das Sinaloa-Kartell oder das Kartell Jalisco Nueva Generación zentral steuert oder ihnen offiziell Schutz gewährt. Sehr wohl dokumentiert ist jedoch ein kriminelles Ökosystem, in dem Unternehmen, Chemikalienhändler, Geldwäscher und Untergrundbanken mit Verbindungen nach China zentrale Dienstleistungen für mexikanische Organisationen erbringen. Ohne diese Versorgung mit chemischen Vorprodukten, Maschinen, Kapital und diskreter Geldverschiebung wären die Kartelle schwächer, langsamer und erheblich teurer zu betreiben.

Ein Krieg, der in Chemiefabriken beginnt
Die Macht der großen mexikanischen Kartelle beruht heute nicht mehr allein auf Kokainrouten, Schlafmohnfeldern oder bewaffneten Konvois. Synthetische Drogen haben das Geschäftsmodell grundlegend verändert. Fentanyl und Methamphetamin benötigen keine landwirtschaftlichen Anbauflächen, keine Erntezyklen und keine riesigen Plantagen. Entscheidend sind Rezepturen, kontrollierte oder noch nicht kontrollierte Chemikalien, Pillenpressen, Mischanlagen und gut abgeschirmte Labore.

Amerikanische Ermittler betrachten China weiterhin als wichtigsten Ausgangspunkt für viele der chemischen Vorprodukte und Produktionsgeräte, die in mexikanischen Laboren eingesetzt werden. Auch Indien spielt als Lieferland eine wachsende Rolle. Die Ware gelangt häufig über reguläre Handelswege nach Mexiko, besonders über Pazifikhäfen wie Manzanillo. Genau darin liegt das Problem: Zahlreiche Stoffe besitzen legale industrielle oder pharmazeutische Anwendungen. Sie können korrekt deklariert, falsch bezeichnet, über Zwischenhändler umgeleitet oder erst nach mehreren Handelsstufen für die Drogenproduktion abgezweigt werden.

Die Kartelle reagieren zudem schneller als die Gesetzgebung. Wird ein bestimmter Stoff kontrolliert, wechseln Chemiker auf noch nicht kontrollierte Vorstufen oder verändern das Herstellungsverfahren. Nach Chinas umfassender Kontrolle fertiger Fentanylvarianten im Jahr 2019 verlagerte sich die Wertschöpfung noch stärker nach Mexiko. Statt das fertige Opioid direkt aus China zu versenden, wurden zunehmend Ausgangsstoffe exportiert und in mexikanischen Geheimlaboren verarbeitet. Eine Maßnahme, die einen Teil des direkten Handels eindämmte, trug damit zugleich zur Entstehung einer flexibleren Lieferkette bei.

Wie groß diese industrielle Dimension ist, zeigte eine Beschlagnahmung im Jahr 2025. Amerikanische Behörden stellten mehr als 300.000 Kilogramm chemischer Stoffe sicher, die aus China stammten und nach Erkenntnissen der Ermittler für Methamphetaminlabore des Sinaloa-Kartells in Mexiko bestimmt waren. Der Fall betraf nicht Fentanyl, machte aber sichtbar, dass die Verbindung zwischen chinesischer Chemieproduktion und mexikanischer Drogenindustrie weit über ein einzelnes Rauschmittel hinausreicht.

Die eigentliche Lebensader ist das Geld
Drogen zu verkaufen ist nur die erste Hälfte des Geschäfts. Die zweite besteht darin, Bargeld aus amerikanischen Städten in nutzbares Vermögen für Kartellführer, Lieferanten und bewaffnete Strukturen zu verwandeln. Genau an diesem Punkt haben chinesische Geldwäschenetzwerke den traditionellen Markt verändert.

Mexikanische Kartelle verfügen über große Mengen an US-Dollar, können diese wegen strenger Einzahlungsregeln in Mexiko jedoch nicht beliebig in das formelle Bankensystem bringen. Gleichzeitig dürfen chinesische Privatpersonen aufgrund der Kapitalverkehrskontrollen ihres Landes regulär nur begrenzte Devisenbeträge ins Ausland transferieren. Die jährliche Obergrenze liegt im Regelfall bei 50.000 US-Dollar. Wohlhabende Chinesen, die Immobilien, Studiengebühren, Luxusgüter oder Investitionen im Ausland bezahlen wollen, suchen deshalb nach inoffiziellen Wegen zu Dollarliquidität.

Aus diesen gegenläufigen Bedürfnissen entstand ein hochprofitables Tauschsystem. Ein Geldwäscher übernimmt Drogendollar in Los Angeles, New York oder einer anderen amerikanischen Stadt. Dem Kartell wird der Gegenwert in Pesos in Mexiko bereitgestellt. Gleichzeitig zahlt ein Kunde in China Renminbi an einen dortigen Partner ein und erhält dafür Zugriff auf die Dollar in den Vereinigten Staaten. Das Geld muss die Grenze nicht sichtbar in derselben Form überqueren. Konten, Forderungen und Guthaben werden über spiegelbildliche Buchungen miteinander verrechnet.

Für die Kartelle ist dieses Modell außerordentlich attraktiv. Chinesische Netzwerke verlangen nach Erkenntnissen aus Ermittlungsverfahren teilweise nur ein bis zwei Prozent Gebühr, arbeiten schnell und übernehmen einen großen Teil des Entdeckungsrisikos. In Anhörungen des amerikanischen Kongresses wurde sogar beschrieben, dass einzelne Anbieter Auszahlungen garantieren, wenn Bargeld von Behörden beschlagnahmt wird. Damit wird Geldwäsche von einer riskanten Nebenaufgabe zu einer professionellen Dienstleistung mit kalkulierbarem Preis.

Das Ausmaß ist gewaltig, muss aber sauber eingeordnet werden. Die amerikanische Finanzaufsicht wertete für die Jahre 2020 bis 2024 insgesamt 137.153 Verdachtsmeldungen aus, die mutmaßlich mit chinesischen Geldwäschenetzwerken zusammenhingen. Das darin erfasste Transaktionsvolumen lag bei rund 312 Milliarden US-Dollar. Diese Summe ist kein Beleg dafür, dass 312 Milliarden Dollar nachweislich aus mexikanischem Drogenhandel stammen. Es handelt sich um verdächtige Finanzaktivitäten, die neben Kartellgeld auch Betrug, Menschenhandel, illegale Glücksspielgeschäfte, Steuerdelikte und weitere Straftaten umfassen können. Dennoch zeigt die Größenordnung, welche finanzielle Infrastruktur den Kartellen inzwischen zur Verfügung steht.

Die Methoden reichen von Bargeldkurieren und Konten sogenannter Geldesel über Scheinfirmen, Handelsrechnungen und Immobilienkäufe bis zu Kryptowährungen und Stablecoins. Elektronik, Luxuswaren, Geschenkkarten, Fahrzeuge oder Flugtickets können als Wertträger dienen. Auf Online-Plattformen werden Geldwechsel und Zahlungsdienste teils mit der Geschwindigkeit gewöhnlicher Handelsangebote vermittelt. Die Kartelle müssen dadurch immer weniger eigene globale Finanzstrukturen unterhalten. Sie kaufen Geldwäsche als Service ein.

Ein kriminelles Dreieck mit legalen Bauteilen
Die besondere Widerstandskraft dieses Systems entsteht daraus, dass viele seiner Bestandteile zunächst legal wirken. Eine Chemikalie kann in der Kunststoff-, Pharma- oder Lackindustrie gebraucht werden. Ein chinesischer Student kann ein Bankkonto eröffnen, ohne zu erkennen, dass er als Geldesel angeworben wurde. Eine Handelsfirma kann reale Waren verschicken und zugleich manipulierte Rechnungen verwenden. Eine Immobilie kann mit scheinbar sauberem Geld erworben werden, obwohl die dahinterstehende Wertübertragung auf Drogenerlösen beruht.

Deshalb wäre es falsch, chinesische Staatsangehörige oder die chinesische Diaspora pauschal mit organisierter Kriminalität gleichzusetzen. Der Begriff chinesisches Geldwäschenetzwerk beschreibt Herkunft, Sprache, Geschäftsbeziehungen und die Nutzung chinesischer Finanz- und Kommunikationsräume. Er ist keine Aussage über eine ethnische Gruppe. Viele Beteiligte handeln wissentlich kriminell, andere werden getäuscht oder erkennen die Funktion ihrer Transaktionen nicht.

Ebenso wichtig ist die Trennung zwischen chinesischem Staat und chinesischen Akteuren. Washington wirft Peking vor, regulatorische Lücken, unzureichende Strafverfolgung und die geringe Kontrolle bestimmter Chemieunternehmen zu dulden. Daraus folgt aber nicht automatisch, dass jede Lieferung staatlich angeordnet oder politisch gewollt ist. Die stärkste Kritik an China liegt nicht in einer bislang unbewiesenen geheimen Allianz mit den Kartellen, sondern in der Frage, warum ein hochgradig kontrollierter Staat über Jahre hinweg nicht konsequenter gegen offen werbende Lieferanten, Untergrundbanken und verdächtige Zahlungsströme vorgegangen ist.

Washington greift die Finanzarchitektur an
Die amerikanische Strategie hat sich deshalb verschoben. Grenzkontrollen und Drogenbeschlagnahmungen bleiben wichtig, reichen aber nicht aus. Washington versucht zunehmend, die Kartelle wie international vernetzte Sicherheitsbedrohungen zu behandeln. Mehrere mexikanische Organisationen, darunter das Sinaloa-Kartell und das Kartell Jalisco Nueva Generación, wurden von den Vereinigten Staaten als ausländische Terrororganisationen eingestuft. Dadurch können Finanzsanktionen, Geheimdienstmittel und Strafverfolgungsinstrumente breiter eingesetzt werden.

Im Jahr 2025 nahmen amerikanische Behörden drei mexikanische Finanzhäuser ins Visier. Ihnen wurde vorgeworfen, über Jahre Zahlungen an chinesische Unternehmen ermöglicht zu haben, die Vorprodukte für die illegale Fentanylherstellung lieferten, und zugleich Geldwäsche für Kartelle nicht ausreichend verhindert zu haben. Die Maßnahmen zielten darauf, diese Institute vom amerikanischen Finanzsystem abzuschneiden. Mexiko verlangte Belege und warnte vor den Folgen einseitiger Schritte für sein Bankensystem.

Im Juni 2026 rückte der amerikanische Kongress die chinesischen Geldwäschenetzwerke erneut ins Zentrum. Die Sorge in Washington richtet sich nicht mehr nur auf einzelne Kuriere, sondern auf ein globales Dienstleistungsmodell, das Kartellgewinne beinahe in Echtzeit verfügbar macht. Gefordert werden spezialisierte Ermittlungsgruppen, ein besserer Austausch zwischen Banken und Behörden, strengere Transparenz bei wirtschaftlich Berechtigten, schärfere Kontrollen von Handelsrechnungen und eine engere Überwachung digitaler Vermögenswerte.

Gleichzeitig setzt die Regierung auf Zölle und wirtschaftlichen Druck gegenüber China. Diese Politik kann Verhandlungen erzwingen, birgt aber Risiken. Wird die Drogenbekämpfung vollständig mit dem Handelskonflikt verknüpft, kann jede politische Krise die polizeiliche Zusammenarbeit blockieren. Kriminelle Netzwerke profitieren gerade von solchen Unterbrechungen, weil ihre Geschäfte grenzüberschreitend weiterlaufen, während Behördeninformationen an nationalen und diplomatischen Grenzen hängen bleiben.

Mexiko zwischen Kooperation und Souveränität
Mexiko ist in diesem Dreieck nicht nur Transitland, sondern zugleich Opfer, Produktionsstandort und politisches Schlachtfeld. Kartelle kontrollieren Labore und Transportwege, infiltrieren Häfen und unterhalten lokale Schutznetzwerke. Sie finanzieren bewaffnete Einheiten, korrumpieren Amtsträger, bedrohen Journalisten und Unternehmer und diversifizieren ihre Einnahmen in Kraftstoffdiebstahl, Menschenschmuggel, Schutzgelder und legale Wirtschaftsbereiche.

Die Regierung von Präsidentin Claudia Sheinbaum hat den Sicherheitsdruck erhöht, Kartellmitglieder an die Vereinigten Staaten überstellt und die Zusammenarbeit bei Drogenbekämpfung und Finanzermittlungen ausgeweitet. Zugleich lehnt Mexiko jede Vorstellung ab, amerikanische Streitkräfte könnten eigenmächtig auf mexikanischem Boden gegen Kartelle vorgehen. Für die Regierung ist die Grenze klar: Kooperation ja, Verletzung der Souveränität nein.

Diese Haltung ist nachvollziehbar, löst aber das strukturelle Problem nicht. Solange Containerhäfen nicht wirksam überwacht, Zollbehörden nicht gegen Korruption abgeschirmt, Firmenregister nicht transparent und lokale Justizsysteme nicht belastbar sind, finden Kartelle Ersatzrouten. Der Kampf gegen chinesische Vorprodukte kann deshalb nicht in Washington oder Peking allein gewonnen werden. Er entscheidet sich ebenso in mexikanischen Häfen, Lagerhäusern, Banken und Staatsanwaltschaften.

Peking ist Teil des Problems und Teil der Lösung
China weist die amerikanische Darstellung zurück, es trage die Hauptverantwortung für die Fentanylkrise. Peking verweist auf seine strengen Drogengesetze und argumentiert, die Vereinigten Staaten müssten Nachfrage, Abhängigkeit, illegale Verschreibungspraxis und den heimischen Drogenmarkt wirksamer bekämpfen. Dieser Einwand ist nicht bedeutungslos. Ohne den riesigen amerikanischen Absatzmarkt gäbe es die heutige Gewinnmaschine nicht.

Gleichzeitig hat China gezeigt, dass staatliches Handeln die Lieferkette beeinflussen kann. Nach neuen Vereinbarungen mit Washington wurden zusätzliche Vorprodukte kontrolliert, Exportregeln für Lieferungen nach Nordamerika verschärft und Ermittlungen gegen einzelne Firmen und Online-Angebote eingeleitet. Im Februar 2026 trafen sich amerikanische und chinesische Fachleute zu einer bilateralen Arbeitsgruppe über synthetische Drogen, chemische Lieferketten, Pillenpressen, Online-Werbung und illegale Finanzströme. Im Mai nahm China drei weitere Chemikalien in die Kontrolle für Ausfuhren nach Kanada, Mexiko und in die Vereinigten Staaten auf und warnte Unternehmen vor acht weiteren Stoffen, die zur Herstellung synthetischer Drogen missbraucht werden können.

Das ist Fortschritt, aber keine dauerhafte Lösung. Chemische Verbote funktionieren nur, wenn sie kontrolliert, strafrechtlich verfolgt und international abgestimmt werden. Andernfalls ändern Händler Produktnamen, verschieben Lieferungen über Drittländer oder bieten nicht gelistete Ersatzstoffe an. Die Erfahrung der vergangenen Jahre zeigt, dass Regulierung ohne konsequente Durchsetzung lediglich den nächsten Innovationszyklus der Kartelle auslöst.

Sinkende Todeszahlen sind keine Entwarnung
Die amerikanische Drogenkrise hat zuletzt dennoch eine bemerkenswerte Wendung genommen. Nach vorläufigen Zahlen starben im Jahr 2025 knapp 70.000 Menschen in den Vereinigten Staaten an einer Überdosis. Das waren fast 14 Prozent weniger als im Vorjahr. Die Zahl der Todesfälle mit Opioidbeteiligung sank von rund 55.300 auf etwa 44.600. Auch zu Beginn des Jahres 2026 setzte sich der Rückgang fort.

Die Ursachen sind umstritten. Der breitere Zugang zum Gegenmittel Naloxon, bessere Behandlungsangebote, Veränderungen im Konsumverhalten und lokale Präventionsprogramme haben wahrscheinlich Leben gerettet. Gleichzeitig deuten Daten aus beschlagnahmtem Fentanyl auf eine zeitweilige Verschlechterung der Reinheit und auf Schwierigkeiten bei der Beschaffung bestimmter Vorprodukte hin. Einige Fachleute sehen darin Hinweise auf einen Versorgungsschock, der zumindest teilweise durch chinesische Kontrollen und den internationalen Druck auf Lieferanten ausgelöst wurde.

Gerade dieser mögliche Zusammenhang ist für Washington bedeutsam. Er würde zeigen, dass Maßnahmen am Anfang der Lieferkette Wirkung entfalten können. Er zeigt aber ebenso, wie gefährlich Selbstzufriedenheit wäre. Kartelle können Mischungen verändern, neue synthetische Opioide einsetzen, Methamphetamin stärker vermarkten oder auf andere Chemikalien ausweichen. Sinkende Todeszahlen bedeuten nicht, dass die Finanz- und Produktionsstrukturen verschwunden sind.

Der Kampf wird nicht an einer einzigen Grenze entschieden
Washingtons Alarmbereitschaft ist deshalb berechtigt, sofern sie nicht in eine zu einfache Schuldzuweisung umschlägt. Die Kartelle werden nicht allein durch China am Leben gehalten. Sie leben von amerikanischer Nachfrage, Bargeld und Finanzlücken, von mexikanischer Korruption und schwachen Institutionen sowie von chinesischen Chemie- und Geldwäschediensten. Jede Seite des Dreiecks liefert einen unverzichtbaren Teil.

Eine wirksame Strategie muss gleichzeitig an mehreren Punkten ansetzen. Chemikalien brauchen eine durchgehende Rückverfolgbarkeit vom Hersteller bis zum Endkunden. Hochriskante Lieferungen müssen bereits vor dem Verladen geprüft werden. Häfen wie Manzanillo benötigen moderne Analytik, unabhängige Kontrolle und vor Korruption geschützte Einheiten. Banken, Kryptodienste und Immobilienregister müssen wirtschaftlich Berechtigte zuverlässig identifizieren. Online-Plattformen dürfen nicht länger als Schaufenster für verdächtige Chemikalien und inoffizielle Geldwechsel dienen. Parallel dazu müssen die Vereinigten Staaten Behandlung, Prävention und Nachfragereduktion ausbauen.

Die entscheidende Erkenntnis lautet: Kartelle sind heute keine isolierten Banden, sondern globale Unternehmen ohne rechtliche Fesseln. Die chinesische Staatsführung stellt ihnen nicht offen einen Rettungsring zur Verfügung. Doch Lieferanten, Untergrundbanken und digitale Netzwerke mit Verbindungen nach China liefern einen erheblichen Teil der Chemie und der finanziellen Infrastruktur, die ihr Geschäftsmodell belastbar macht. Solange diese Verbindung nicht dauerhaft unterbrochen wird, kann Washington an der Grenze Tonnen beschlagnahmen und Anführer festnehmen, während das System dahinter weiterarbeitet.

Der gefährlichste Gegner ist deshalb nicht ein einzelner Kartellboss. Es ist die internationale Architektur, die chemische Produktion, legale Handelswege, Kapitalflucht, digitale Zahlungen und amerikanische Drogennachfrage zu einem nahezu selbstheilenden Markt verbindet. Genau deshalb ist Washington in Alarmbereitschaft.



Vorgestellt


WakeBASE-Sprung vom Dubai Infinity Pool

Das Projekt mit dem Namen "WakeBASE" beinhaltete eine einzigartige Kombination aus Drohnen-Wakeskating und BASE-Jumping.Schauplatz dieses Kunststücks war das Address Beach Resort in Dubai, dessen Infinity-Pool 294 Meter über dem Meeresspiegel liegt und damit den Guinness-Weltrekord hält.Grubbs Herausforderung begann mit einem 94 Meter langen Wakeskating über den Pool auf dem Dach, wobei er von einer speziell entwickelten Drohne gezogen wurde.Der Stunt gipfelte in einem BASE-Sprung vom Rand des Pools, bei dem Grubb 77 Stockwerke hinabsprang, bevor er erfolgreich am Strand landete. Diese Leistung war die Verwirklichung von Grubbs siebenjährigem Traum und ein historischer Meilenstein im Extremsport.Um sich auf "WakeBASE" vorzubereiten, unterzog sich Grubb einem rigorosen Training mit der BASE-Sprunglegende Miles Daisher.Obwohl er im Dezember 2022 erst 26 BASE-Sprünge absolviert hatte, absolvierte Grubb 106 Sprünge während seines Trainings, das in Idaho, USA, und Lauterbrunnen, Schweiz, einem renommierten BASE-Sprungort, stattfand.Das Projekt umfasste auch eine Partnerschaft mit Prada, das maßgeschneiderte, für die Anforderungen von Wakeskating und BASE-Jumping optimierte Kleidung zur Verfügung stellte.Die Drohne, die bei diesem Stunt zum Einsatz kam, wurde von einem Team unter der Leitung von Sebastian Stare mit spezieller Hard- und Software entwickelt, die auf die Anforderungen von "WakeBASE" zugeschnitten ist.Die Wahl des Address Beach Resorts in Dubai war von strategischer Bedeutung, da der hohe Infinity-Pool und das architektonische Layout sowohl für den Wakeskate-Lauf als auch für den BASE-Sprung ideal waren.

Lass dich von Dubai und seinem Zauber überraschen

Lass dich von Dubai und seinem Zauber überraschen

Chinas Angriff auf ASML

China macht Fortschritte beim Aufbau eigener Maschinen für die Chipfertigung. Doch ein EUV-Prototyp ist noch kein Ersatz für die Anlagen des niederländischen Marktführers. Entscheidend ist nicht allein, ob die Technik funktioniert, sondern ob sie zuverlässig und wirtschaftlich produziert.Kaum ein Unternehmen verkörpert die technologische Abhängigkeit der chinesischen Halbleiterindustrie so deutlich wie ASML. Der niederländische Konzern liefert die Maschinen, mit denen sich besonders anspruchsvolle Strukturen moderner Computerchips in industriellen Stückzahlen fertigen lassen. Seine EUV-Anlagen sind deshalb weit mehr als Investitionsgüter: Sie stehen im Zentrum eines Wettbewerbs um wirtschaftliche Macht, künstliche Intelligenz und technologische Eigenständigkeit.China will diese Abhängigkeit überwinden. Fortschritte bei eigenen Belichtungssystemen machen das Vorhaben greifbarer. Die Behauptung, ASMLs schlimmster Albtraum sei bereits Wirklichkeit geworden, geht allerdings zu weit. Ein ernst zu nehmender Herausforderer entsteht nicht mit dem ersten gelungenen Experiment. Er entsteht, wenn Kunden dessen Maschinen dauerhaft in ihre Fertigung integrieren können. Genau dort liegt der Haken hinter Chinas vermeintlichem Triumph.Der Prototyp und die entscheidende LückeIn Shenzhen soll Anfang 2025 ein chinesischer EUV-Prototyp fertiggestellt worden sein, der entsprechendes Licht erzeugen konnte. Ende 2025 hatte die Anlage jedoch noch keine funktionsfähigen Chips hergestellt. Als Entwicklungsziel wurde 2028 genannt; zugleich stand 2030 als vorsichtigere Einschätzung im Raum. Beide Jahreszahlen bezeichnen Erwartungen, keine erreichte Serienreife.Der Unterschied ist fundamental. Ein Versuchsaufbau kann zeigen, dass bestimmte technische Komponenten zusammenarbeiten. Eine Produktionsmaschine muss dagegen unter wechselnden Bedingungen berechenbare Ergebnisse liefern. Sie muss präzise bleiben, Wartungsintervalle überstehen und nach einem Eingriff wieder dieselbe Qualität erreichen. Ihre Leistungsfähigkeit bemisst sich nicht an einem besonders gelungenen Test, sondern an einer langen Folge reproduzierbarer Ergebnisse.Auch erste funktionsfähige Chips wären deshalb noch kein Beweis für wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit. Eine Fabrik braucht nicht nur einzelne erfolgreiche Bauteile. Sie braucht eine ausreichend hohe Ausbeute, also einen tragfähigen Anteil einwandfreier Chips an der gesamten Produktion. Bleibt dieser Anteil zu niedrig, verteilen sich die Herstellungskosten auf zu wenige verkäufliche Produkte. Eine technisch beeindruckende Anlage kann dadurch wirtschaftlich unbrauchbar bleiben.Warum das Licht allein nicht genügtEUV steht für extrem ultraviolette Strahlung. Die Lithografie arbeitet dabei mit einer Wellenlänge von 13,5 Nanometern. In ASMLs Systemen treffen leistungsstarke Laserpulse auf winzige Zinntropfen. Das entstehende Plasma emittiert das benötigte Licht, mit dem sich über eine strukturierte Maske feinste Muster auf eine lichtempfindliche Schicht des Siliziumwafers übertragen lassen.Doch dieses Licht lässt sich nicht wie in einem gewöhnlichen optischen Gerät durch Glaslinsen führen. Bereits Luft absorbiert die Strahlung. Der Strahlengang muss daher im Vakuum liegen; hochpräzise Mehrschichtspiegel übernehmen die optische Führung. Lichtquelle, Spiegel, Maske und die Positionierung des Wafers müssen als ein einziges System funktionieren.An dieser Stelle beginnt die eigentliche industrielle Schwierigkeit. Wärme verändert die Eigenschaften optischer Komponenten. Winzige Verschiebungen können die Deckung aufeinanderfolgender Strukturen beeinträchtigen. Verunreinigungen und Abbildungsfehler können Defekte verursachen. Sensoren, Messverfahren und Korrektursoftware müssen solche Einflüsse erkennen und ausgleichen. Es reicht nicht, jede Baugruppe für sich zu beherrschen; die Präzision muss im laufenden Betrieb erhalten bleiben.ASMLs Vorsprung besteht somit nicht nur aus einem Bauplan. Er steckt ebenso in Fertigungsprozessen, Messdaten, Wartungserfahrung und der Abstimmung mit den Chipproduzenten. Wer eine vergleichbare Anlage entwickeln will, muss dieses Zusammenspiel aufbauen. Gerade Erfahrungen aus dem Fabrikbetrieb lassen sich nicht vollständig durch zusätzliche Laborversuche ersetzen.Der nähere Angriff erfolgt über DUVNeben dem EUV-Projekt gewinnt Chinas Entwicklung eigener DUV-Anlagen an Bedeutung. Huawei unterstützt den Aufbau heimischer Ausrüstung und Zulieferer. Das Unternehmen Yuliangsheng arbeitet an entsprechenden Belichtungssystemen, die bei chinesischen Chipproduzenten erprobt werden. Für Ende 2026 steht das Ziel von zwölf Maschinen im Raum. Zugleich bleiben chinesische Hersteller in erheblichem Umfang auf ASML-Technik angewiesen.DUV und EUV dürfen dabei nicht verwechselt werden. Moderne ArF-DUV-Systeme nutzen Licht mit einer Wellenlänge von 193 Nanometern. Durch aufwendige Mehrfachstrukturierung lassen sich damit wesentlich feinere Strukturen erzeugen, als eine einzelne Belichtung erlauben würde. Ein komplexes Muster wird dazu in mehrere einfachere Muster zerlegt, deren Übertragung und weitere Verarbeitung sorgfältig aufeinander abgestimmt werden müssen.Dieser Weg eröffnet technische Möglichkeiten, verlangt aber zusätzliche Prozessschritte und besonders genaue Ausrichtung. Die höhere Komplexität kann die Fertigungsdauer verlängern, Kosten steigern und weitere Fehlerquellen schaffen. Ob das Verfahren wirtschaftlich trägt, hängt vom konkreten Chip und vom beherrschten Produktionsprozess ab. Die Existenz eines leistungsfähigen Prozessors verrät daher noch nicht, wie teuer oder aufwendig seine Herstellung war.Für ASML könnte ein konkurrenzfähiges chinesisches DUV-Angebot dennoch früher spürbar werden als ein EUV-Konkurrent. DUV bleibt auch in modernen Fabriken für zahlreiche Schichten notwendig. Ein heimischer Anbieter müsste deshalb nicht sofort die anspruchsvollsten Anwendungen übernehmen, um Geschäft zu gewinnen. Bereits verlässliche Maschinen für einen Teil der Produktion könnten Abhängigkeiten verringern und den Einstieg in größere Aufträge erleichtern.Eine eigene Maschine ist noch keine eigene LieferketteDie Vorstellung, China müsse lediglich eine niederländische Maschine nachbauen, unterschätzt die Aufgabe. Ein Belichtungssystem vereint hochspezialisierte Optik, Lichtquellen, Präzisionsmechanik, Steuerung und Software. Für den Produktionsbetrieb kommen Verbrauchsmaterialien, Ersatzteile, Prüftechnik und qualifiziertes Servicepersonal hinzu. Eine Schwachstelle kann die Leistung des gesamten Systems begrenzen.Daraus folgt ein strengerer Maßstab für technologische Unabhängigkeit. Eine Anlage, die an einem chinesischen Standort zusammengebaut wird, ist nicht automatisch unabhängig von ausländischen Komponenten. Entscheidend wäre, ob sich kritische Teile dauerhaft beschaffen, in gleichbleibender Qualität fertigen und bei Ausfällen ersetzen lassen. Selbst eine erfolgreiche Erstmontage beantwortet diese Fragen noch nicht.Gelingt es chinesischen Maschinenbauern, ihre Systeme schrittweise in heimischen Fabriken zu etablieren, entsteht allerdings ein wichtiger Vorteil: praktische Rückmeldung. Jeder Einsatz kann zeigen, welche Komponenten verschleißen, welche Korrekturen erforderlich sind und wo Produktivität verloren geht. Diese Lernprozesse könnten langfristig schwerer wiegen als einzelne spektakuläre Demonstrationen. Voraussetzung bleibt, dass die Anlagen den Betrieb tatsächlich unterstützen und nicht dauerhaft durch unzuverlässige Ergebnisse belasten.Exportkontrollen gewinnen Zeit, nicht GewissheitDie Exportbeschränkungen haben den Zugang Chinas zu modernster Lithografietechnik erheblich erschwert. ASML bekräftigte im Juni 2026, niemals EUV-Systeme oder eigens dafür entwickelte Komponenten nach China geliefert zu haben. Das ist zugleich eine wichtige Grenze der Debatte: Ein chinesisches Entwicklungsprojekt ist nicht mit einer nachgewiesenen Lieferung vollständiger ASML-EUV-Anlagen gleichzusetzen.Strategisch lassen sich aus dieser Lage zwei unterschiedliche Wirkungen ableiten. Fehlender Zugang zu Spitzentechnik kann Fortschritte verzögern und die Kosten der Aufholjagd erhöhen. Zugleich wächst der Anreiz, eigene Lösungen zu finanzieren und heimische Lieferanten auch dann zu erproben, wenn deren Produkte zunächst weniger leistungsfähig sind.Daraus folgt weder, dass Exportkontrollen wirkungslos wären, noch, dass sie einen technologischen Vorsprung dauerhaft garantieren könnten. Ihr langfristiger Nutzen hängt auch davon ab, wie die gewonnene Zeit eingesetzt wird. Eine Industrie, die ihre eigenen Entwicklungsprogramme vernachlässigt, lässt sich nicht allein durch Beschränkungen für Wettbewerber absichern.ASML steht nicht vor dem ZusammenbruchDie aktuellen Geschäftszahlen passen jedenfalls nicht zum Bild eines Konzerns, dessen Position bereits zusammengebrochen wäre. Im zweiten Quartal 2026 erzielte ASML rund 9,3 Milliarden Euro Umsatz und 2,9 Milliarden Euro Nettogewinn. Im Juli hob das Unternehmen seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr auf 43 bis 45 Milliarden Euro an. Die Nachfrage wird wesentlich durch Investitionen in Rechenleistung und Speicher für künstliche Intelligenz getragen.Am 8. September 2026 begann ASML zudem mit dem Bau eines neuen Produktionscampus bei Eindhoven. Die erste Ausbaustufe soll bis 2029 zusätzliche Büros, Logistikflächen und Reinräume schaffen. Der Konzern erweitert damit seine industrielle Basis, statt sich auf die Verteidigung vorhandener Kapazitäten zu beschränken.Diese Entwicklung widerlegt chinesische Fortschritte nicht. Sie zeigt aber, weshalb zwei Zeithorizonte getrennt betrachtet werden müssen. Ein Unternehmen kann heute hohe Gewinne erzielen und zugleich vor einem ernsthaften langfristigen Wettbewerbsrisiko stehen. Umgekehrt ist ein potenzieller Konkurrent noch keine Erklärung für einen bereits eingetretenen Machtwechsel.Hinzu kommt, dass ASML seine Technik weiterentwickelt. Die High-NA-EUV-Generation vergrößert die numerische Apertur des optischen Systems von 0,33 auf 0,55 und ermöglicht eine höhere Auflösung. Sie soll besonders anspruchsvolle Strukturen mit weniger aufwendigen Prozessfolgen herstellen helfen. China arbeitet damit nicht auf ein unveränderliches Ziel hin: Während neue Anbieter frühere Hürden überwinden, verschiebt sich die technologische Spitze weiter.Woran sich der Durchbruch messen mussFür die weitere Entwicklung zählen deshalb weniger Ankündigungen als überprüfbare Ergebnisse. Entscheidend wäre zunächst, ob ein chinesisches EUV-System tatsächlich funktionsfähige Chips mit den vorgesehenen Eigenschaften herstellen kann. Danach müssten sich Qualität, Geschwindigkeit und Verfügbarkeit über längere Produktionsläufe bewähren. Schließlich wäre zu zeigen, dass sich solche Maschinen nicht nur einmal bauen, sondern wiederholt liefern und zuverlässig betreuen lassen.Erst dieses Gesamtbild würde einen belastbaren Vergleich mit ASML erlauben. Es müsste auch den Aufwand für Wartung, Verbrauchsmaterialien, Ersatzteile und Ausschuss berücksichtigen. Ein niedrigerer Kaufpreis wäre wenig wert, wenn eine Anlage häufiger ausfällt oder pro brauchbarem Chip wesentlich mehr Ressourcen verbraucht.Chinas Fortschritte sollten deshalb weder kleingeredet noch zum vollendeten Sieg erklärt werden. Eine technisch eigenständige Alternative könnte die Kräfteverhältnisse der Halbleiterindustrie verändern, auch ohne ASML sofort weltweit zu verdrängen. Ein großer Teil ihrer strategischen Wirkung läge bereits darin, chinesischen Herstellern eine verlässliche zweite Option zu verschaffen.Noch ist diese Option bei EUV nicht als kommerziell ausgereiftes Angebot belegt. Der eigentliche Haken liegt somit nicht hinter dem Durchbruch, sondern mitten darin: Zwischen einem Prototyp und industrieller Unabhängigkeit steht die Fähigkeit, Präzision dauerhaft in wirtschaftliche Produktion zu übersetzen. Für China ist das die nächste Bewährungsprobe. Für ASML wäre erst deren erfolgreiche Bewältigung der Beginn einer grundlegend anderen Wettbewerbslage.