Dubai Telegraph - Ölpreis stabil, Banken wanken

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Ölpreis stabil, Banken wanken




Seit dem Beginn des Kriegs im Nahen Osten Ende Februar 2026 ist die Straße von Hormus, die wichtigste Engstelle für den globalen Energiemarkt, weitgehend blockiert. Handelsschiffe wurden angegriffen, Minen behindern die Schifffahrt, und US‑Schiffe eskortieren nur sporadisch Tanker durch die Meerenge. Der Konflikt hat die ohnehin fragile Balance des Ölmarktes gestört. Dennoch ist der Ölpreis nicht eingebrochen – im Gegenteil: Brent stieg im März zeitweise um 65 %, weil die weltweite Förderung im Zuge der Sperrung um rund zehn Millionen Barrel pro Tag einbrach, die Lagerbestände sanken und nur wenige Alternativen existieren. Dieses Paradox – hohe Ölpreise trotz blockierter Transportwege – birgt zugleich das Potenzial, das Bankensystem aus dem Gleichgewicht zu bringen.

Angebotsknappheit statt Ölpreisverfall
Die Straße von Hormus ist der Nabel der globalen Öllogistik. Vor dem Krieg passierten hier etwa 20 % der weltweiten Öl- und Flüssiggastransporte. Seit den Angriffen liegt der Schiffsverkehr laut Branchenstatistiken bei nur sechs Prozent des Normalvolumens. Der Ausfall der Lieferungen aus der Golfregion riss im März ein Produktionsloch von gut zehn Millionen Barrel pro Tag – der größte Verlust seit der Pandemie. Europa und Asien, die vom Mittleren Osten abhängig sind, mussten ihre Raffinerien drosseln, während die Vereinigten Staaten zwar zum Nettoexporteur wurden, aber wegen der Beschaffenheit ihrer Schieferölproduktion nur begrenzt einspringen können.

Das knappe Angebot verhindert einen Preissturz, obwohl die Weltwirtschaft schwächelt. Die Nachfrage in den Industriestaaten sinkt, doch wachsende Volkswirtschaften wie Brasilien, Indien und Indonesien halten den Verbrauch stabil. Auch der Lagerabbau – internationale Reserven wurden zur Preisstabilisierung freigegeben – stützt die Notierungen. Analysen gehen davon aus, dass der Ölmarkt im zweiten Quartal ein Defizit von etwa 3,7 Millionen Barrel pro Tag aufweist. Selbst ein temporärer Waffenstillstand im April konnte nur vorübergehend für Entspannung sorgen; der Brent‑Preis pendelt seither um die Marke von 100 US‑Dollar. Für fallende Preise müssten mehrere Faktoren zusammenkommen: eine rasche Wiederöffnung der Straße von Hormus, erhebliche Förderausweitungen außerhalb der Golfregion und eine stärkere Verbreitung von Elektrofahrzeugen sowie ein konjunktureller Einbruch. Solange diese Bedingungen nicht erfüllt sind, bleibt der Ölpreis hoch – der „Hormus‑Schock“ wirkt als Preisstütze.

Inflationärer Druck und geldpolitische Konsequenzen
Die hohen Energiepreise haben eine klassische Stagflation ausgelöst. In der Eurozone und im Vereinigten Königreich liegt die Inflation erneut über der Zielmarke, während das Wachstum ins Stocken gerät. Notenbanken geraten dadurch in ein Dilemma: Sie müssten die Zinsen erhöhen, um den Preisschub zu bekämpfen, riskieren damit aber, eine schwache Konjunktur abzuwürgen. Experten weisen darauf hin, dass die Europäische Zentralbank und die Bank of England wegen ihrer Abhängigkeit von Energieimporten besonders exponiert sind und sich eher für eine „länger höher“-Strategie entscheiden.

Für Banken ist dieses Umfeld gefährlich. Höhere Zinsen verteuern die Refinanzierung und drücken den Wert bestehender Anleihenbestände. Gleichzeitig erodiert die Kaufkraft der Verbraucher, und viele Unternehmen müssen die gestiegenen Energie‑ und Transportkosten auffangen. Besonders anfällig sind Institute mit großem Engagement im Immobiliensektor und im Konsumentenkreditgeschäft: Sobald Hypothekenzinsen steigen und die Realeinkommen stagnieren, droht eine Welle notleidender Kredite. Analysten sehen bereits, dass sich die Erwartungen auf baldige Zinssenkungen verschieben und dadurch die Finanzierungskonditionen straffer werden.

Private‑Credit‑Stress und verschärfte Finanzbedingungen
Neben der Zinsseite gibt es weitere Alarmsignale. Der Markt für private Kredite – ein weitgehend unregulierter Bereich, in dem institutionelle Investoren Unternehmen außerhalb des Bankensektors finanzieren – hat mit massiven Rückgabeanträgen und Bewertungsabschlägen zu kämpfen. Mehrere Fonds setzten Rücknahmebeschränkungen („Gates“), andere mussten ihre Bewertungsmodelle überarbeiten. Wenn Investoren gleichzeitig Kapital abziehen und die Sicherheiten an Wert verlieren, droht ein Teufelskreis aus Zwangsverkäufen und sinkenden Preisen. Diese Verwerfungen bleiben nicht auf den Schattenbankensektor beschränkt: Banken nutzen private Kredite als Sicherheiten oder haben Beteiligungen an entsprechenden Fonds. Wird der Abschreibungsbedarf größer, erhöht sich der Druck auf ihre Bilanzen.

Auch in der klassischen Bankenwelt wächst die Nervosität. Finanzspezialisten warnen, dass die Mischung aus gehebelten Staatsanleihepositionen, komplexen Finanzprodukten und überbewerteten Vermögenswerten Erinnerungen an frühere Krisen weckt. Eine hochrangige Vertreterin der Bank of England betonte vor kurzem, dass die Überschneidung dieser Risikofelder das System verwundbar mache; wenn mehrere Schwachstellen gleichzeitig zutage träten, könne aus den jetzigen Spannungen schnell eine ausgewachsene Krise werden. Sie verwies insbesondere auf den privaten Kreditmarkt, auf hoch verschuldete Staatsanleihemärkte und auf die Kluft zwischen hohen Vermögenspreisen und der schwächelnden Realwirtschaft. Der Konflikt im Nahen Osten erhöhe die Wahrscheinlichkeit, dass diese Risiken zeitgleich eskalieren.

Auswirkungen auf Schwellenländer und globale Finanzstabilität
Die Finanzfolgen der Hormus‑Blockade treffen nicht nur die Industriestaaten. Entwicklungs- und Schwellenländer spüren den Schock deutlich: Börsenkurse fallen, Währungen geraten unter Druck, und die Kosten für die Bedienung von Auslandsschulden steigen. Viele dieser Staaten sind Nettoimporteure von Energie und Lebensmitteln. Die Verteuerung von Öl und Dünger verteuert den Import von Grundnahrungsmitteln und treibt die Inflation weiter an. Internationale Organisationen warnen, dass sich diese Länder ohne schnelle Hilfe verschulden müssten, um lebenswichtige Güter zu finanzieren. Sie mahnen zu einer Politik, die Preisstabilität mit sozialem Ausgleich verbindet, und fordern Notkredite, Schuldenerleichterungen und koordinierte Zentralbankvereinbarungen, um den Druck auf die ärmsten Volkswirtschaften zu mindern.

Warum aus einem Öl‑Schock ein Banken‑Crash werden kann
Die Verbindung zwischen hohen Ölpreisen und Finanzstabilität ist historisch gut dokumentiert. Energiekrisen lösten in der Vergangenheit Rezessionen aus, weil sie wie eine Steuer wirken: Sie entziehen Haushalten und Unternehmen Kaufkraft und erhöhen die Betriebskosten. Je länger die aktuelle Blockade anhält, desto größer ist die Gefahr, dass Unternehmen Investitionen zurückstellen, dass Konsumenten sparen und dass Staaten gezwungen sind, fiskalische Mittel umzuschichten. Ökonomen sprechen bereits von einem „Supersturm“ aus drei Faktoren: dem Stress im privaten Kreditmarkt, der abnehmenden Wirtschaftsleistung und dem geopolitischen Öl‑Schock. Diese Kombination könnte – wenn sie sich weiter zuspitzt – Banken in Schieflage bringen.

Ein zentraler Risikofaktor ist der Vertrauensverlust. Sobald Marktteilnehmer ihre Anteile an Kreditfonds oder Finanzprodukten verkaufen wollen und erkennen, dass sie diese nur mit Abschlägen loswerden, steigt die Nervosität. Banken müssen dann plötzlich zusätzliche Sicherheiten stellen oder ihre Anleihenbestände veräußern, was die Kurse drückt und weitere Abschreibungen erzwingt. Hinzu kommen Währungsturbulenzen, wenn Länder ihre Reserven zur Stabilisierung des Wechselkurses einsetzen. In einem solchen Umfeld kann selbst ein regional begrenzter Konflikt zu einem globalen Finanzschock eskalieren.

Fazit und Ausblick in die Zukunft
Die Blockade der Straße von Hormus hat den Ölmarkt in die größte Angebotskrise seit Jahrzehnten gestürzt. Statt eines Preissturzes erleben wir eine Phase historisch hoher Notierungen, weil alternative Lieferwege fehlen und die Nachfrage in den Schwellenländern robust bleibt. Gleichzeitig sorgt der Energiepreisschub für eine gefährliche Mischung aus Inflation, steigenden Zinsen und wachsender Verschuldung. Die Folgen sind vielschichtig: Verbraucher und Unternehmen ächzen unter hohen Rechnungen, Zentralbanken balancieren zwischen Preisstabilität und Wachstumsangst, und die Anspannung im Schattenbankensektor könnte auf das klassische Bankensystem übergreifen.

Solange der Hormus‑Knoten nicht gelöst und der Schiffsverkehr nicht dauerhaft gesichert ist, bleibt diese Lage angespannt. Regierungen und Aufsichtsbehörden müssen nicht nur auf die geopolitische Eskalation reagieren, sondern auch die systemische Verflechtung von Energie- und Finanzmärkten beachten. Sonst droht aus dem regionalen Konflikt eine globale Bankenkrise zu werden.



Vorgestellt


WakeBASE-Sprung vom Dubai Infinity Pool

Das Projekt mit dem Namen "WakeBASE" beinhaltete eine einzigartige Kombination aus Drohnen-Wakeskating und BASE-Jumping.Schauplatz dieses Kunststücks war das Address Beach Resort in Dubai, dessen Infinity-Pool 294 Meter über dem Meeresspiegel liegt und damit den Guinness-Weltrekord hält.Grubbs Herausforderung begann mit einem 94 Meter langen Wakeskating über den Pool auf dem Dach, wobei er von einer speziell entwickelten Drohne gezogen wurde.Der Stunt gipfelte in einem BASE-Sprung vom Rand des Pools, bei dem Grubb 77 Stockwerke hinabsprang, bevor er erfolgreich am Strand landete. Diese Leistung war die Verwirklichung von Grubbs siebenjährigem Traum und ein historischer Meilenstein im Extremsport.Um sich auf "WakeBASE" vorzubereiten, unterzog sich Grubb einem rigorosen Training mit der BASE-Sprunglegende Miles Daisher.Obwohl er im Dezember 2022 erst 26 BASE-Sprünge absolviert hatte, absolvierte Grubb 106 Sprünge während seines Trainings, das in Idaho, USA, und Lauterbrunnen, Schweiz, einem renommierten BASE-Sprungort, stattfand.Das Projekt umfasste auch eine Partnerschaft mit Prada, das maßgeschneiderte, für die Anforderungen von Wakeskating und BASE-Jumping optimierte Kleidung zur Verfügung stellte.Die Drohne, die bei diesem Stunt zum Einsatz kam, wurde von einem Team unter der Leitung von Sebastian Stare mit spezieller Hard- und Software entwickelt, die auf die Anforderungen von "WakeBASE" zugeschnitten ist.Die Wahl des Address Beach Resorts in Dubai war von strategischer Bedeutung, da der hohe Infinity-Pool und das architektonische Layout sowohl für den Wakeskate-Lauf als auch für den BASE-Sprung ideal waren.

Lass dich von Dubai und seinem Zauber überraschen

Lass dich von Dubai und seinem Zauber überraschen

Chinas gigantischer Vorsprung

Während in Deutschland Aktenordner mit Gutachten, Einsprüchen und Ausschreibungsunterlagen in den Behörden verstauben, setzen in China bereits die ersten Züge, Flugzeuge oder Ströme von Wasser ihre Reise durch neue Großprojekte fort. Dieser Kontrast ist keine moralische Bewertung, sondern der sichtbarste Unterschied zwischen zwei Systemen. Die Bundesrepublik ringt mit maroder Infrastruktur, komplizierten Genehmigungsprozessen und politischen Grabenkämpfen, während Peking mit atemberaubender Geschwindigkeit Brücken, Tunnel, Städte und Solarkraftwerke aus dem Boden stampft.Der Tunnel unter dem Bohai-MeerEin Beispiel für diesen Vorstoß ist der geplante Unterwassertunnel unter der Bohai-See, der die Hafenstädte Dalian und Yantai miteinander verbinden soll. Mit einer Länge von rund 120 Kilometern wäre er der längste Unterseetunnel der Welt. Die Fahrtzeit zwischen beiden Städten soll künftig nicht mehr sechs bis acht Stunden über Fähren oder lange Straßenumwege betragen, sondern nur noch etwa vierzig Minuten. Geplant sind zwei parallele Röhren für Hochgeschwindigkeitszüge, die mit bis zu 240 Kilometern pro Stunde durch das Gestein rasen. Ingenieure entwickeln spezielle Sensoren, wasserdichte Kammern und Notinseln, um dem seismisch aktiven Gebiet gerecht zu werden. Während Europa seit Jahrzehnten über eine lediglich drei Kilometer lange Brücke über die Meerenge von Messina debattiert, treibt China ein Projekt voran, das fast vierzigmal so lang ist und die Wirtschaftskraft ganzer Regionen enger vernetzen soll.Der Zug der ZukunftChina verfügt bereits über das weltweit längste Netz für Hochgeschwindigkeitszüge. Die Verbindung von Peking nach Guangzhou erstreckt sich über rund 2 300 Kilometer. Ein Zug nach Lhasa erklimmt Höhen von 5 000 Metern. Nun wagt sich China an einen Zug, der nicht mehr an die Atmosphärenluft gebunden ist: In Harbin im Nordosten soll demnächst eine Versuchsstrecke für einen Magnetschwebebahn‑Zug entstehen, der in einem teilvakuumierten Tunnel auf bis zu 1 000 Kilometer pro Stunde beschleunigt wird. Diese Geschwindigkeit wäre mehr als doppelt so hoch wie bei der aktuellen Transrapid‑Strecke in Shanghai. Der Betreiber World Artery sieht in dem Projekt einen Durchbruch für den Personen‑ und Güterverkehr, die Technologie könnte den Flugverkehr auf mittleren Distanzen ersetzen. Herausforderungen liegen in der Sicherheit der Passagiere und den immensen Baukosten. Gleichwohl zeigt das Projekt, wie ehrgeizig China die Grenzen der Ingenieurskunst verschiebt.Die Umleitung der FlüsseNicht nur Züge rollen in Rekordzeit, auch gewaltige Wassermassen werden umgeleitet. Seit dem Jahr 2014 fließen im Rahmen des Süd‑Nord‑Wasserumleitungsprojekts Milliarden Kubikmeter Wasser vom wasserreichen Yangtze ins trockene Nordchina. Bis Mai 2026 wurden mehr als 88 Milliarden Kubikmeter in Richtung Peking und weitere Metropolen geleitet, nahezu 200 Millionen Menschen profitieren davon. Der Osten‑ und der Zentralarm der gigantischen Anlage versorgen 48 Großstädte, die Wasserqualität liegt laut Regierung durchgängig auf hohem Niveau. Allein die zentrale Route hat über 78 Milliarden Kubikmeter transportiert. Rund 13 Milliarden Kubikmeter dienten als ökologische Auffrischung, wodurch Flüsse wieder aufgefüllt und Grundwasserspiegel angehoben wurden. In Europa wäre eine Umleitung dieser Größenordnung unvorstellbar – hier werden Pipelines über wenige Kilometer bereits von Bürgerinitiativen und Umweltauflagen ausgebremst.Solarkraft auf dem MeerAuch im Bereich der erneuerbaren Energien setzt China Maßstäbe. Vor der Küste der Provinz Shandong hat der staatliche Energiekonzern eine schwimmende Solaranlage mit einer Leistung von einem Gigawatt ans Netz angeschlossen. Die Anlage besteht aus fast 3 000 schwimmenden Plattformen auf einer Fläche von über 1 200 Hektar, ist über ein 66‑Kilovolt‑Seekabel mit dem Festland verbunden und verfügt über ein integriertes Energiespeichersystem sowie Fischzuchtbecken. Mit einem Investitionsvolumen von etwa 1,2 Milliarden US‑Dollar soll die Anlage jährlich rund 1,78 Terawattstunden Strom liefern – genug, um Millionen Menschen mit sauberer Energie zu versorgen. Europa plant derweil kleinteilig und streitet über den Bau einzelner Windparks; in China wird ein ganzer Solarpark auf dem offenen Meer errichtet, der Fischerei, Energiegewinnung und Netzstabilität miteinander verbindet.Deutschland zwischen Stillstand und ErneuerungDie Lage in Deutschland wirkt im Vergleich dazu trist. Ein Brückeneinsturz bei Dresden im Jahr 2024 und Risse auf dem Berliner Stadtring, die jahrelange Sperrungen nach sich ziehen, stehen exemplarisch für den Zustand der Infrastruktur. Öffentliche Investitionen liegen seit Jahrzehnten auf einem Tiefstand; nach Angaben des Deutschen Instituts für Urbanistik beträgt der Anteil der öffentlichen Ausgaben gemessen am Bruttoinlandsprodukt heute weniger als die Hälfte im Vergleich zur Hochphase der 1970er Jahre. Die Folgen sind spürbar: Jede vierte Person in Deutschland hat keinen Zugang zu öffentlichem Nahverkehr, die Deutsche Bahn musste im vergangenen Jahr rund zweihundert Millionen Euro Entschädigungen wegen Verspätungen zahlen. Großprojekte wie der Bahnhof Stuttgart 21 oder der Hauptstadtflughafen BER wurden von Kostenexplosionen und jahrelangen Verzögerungen begleitet.Die Ursachen sind vielfältig: ein Dickicht aus Bau‑ und Vergaberecht, das selbst Kommunen lähmt; ein Personalmangel in Verwaltungen und Bauwirtschaft, weil viele Fachkräfte in den Ruhestand gehen; und eine politische Kultur, die den Konsens sucht, aber Entscheidungen verzögert. Eine Umfrage des Urbanistik‑Instituts ergab, dass in rund sechzig Prozent der Kommunen Bauprojekte aufgrund rechtlicher Vorgaben mindestens um ein Jahr verschoben werden müssen. Gleichzeitig belasten die Energiewende und die Digitalisierung die Investitionsbudgets zusätzlich; allein der Umbau zu einer klimaneutralen Wirtschaft wird auf mehr als eine Billion Euro geschätzt.Was der Vergleich lehrtDer Blick nach China zeigt, wie Zukunft gestaltet werden kann, wenn politischer Wille, staatliche Finanzierung und technologische Ambition zusammentreffen. Das bedeutet nicht, dass europäische Standards für demokratische Mitsprache, Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit über Bord geworfen werden sollten. Chinas Megaprojekte werden von massiven Umweltfolgen und der Umsiedlung ganzer Dörfer begleitet, und nicht jede Schnellbaumaßnahme wäre hierzulande wünschenswert. Doch der Vorsprung ist so deutlich, dass er unsere eigene Trägheit entlarvt. Während China an einem Tunnel von 120 Kilometern Länge plant, stauen sich in Deutschland die Akten für eine Ortsumgehung; während ein Magnetschwebebahn‑Zug mit 1 000 Kilometern pro Stunde getestet wird, diskutieren wir über Nachtzüge; während Millionen Menschen im Norden Chinas über einen Wasserkanal versorgt werden, drohen bei uns Dürresommer und sinkende Grundwasserspiegel.Es geht nicht darum, chinesische Praktiken zu kopieren, sondern darum, aus ihnen zu lernen: Genehmigungsverfahren zu straffen, Planungs‑ und Bauzeiten zu verkürzen und zugleich Umwelt‑ und Sozialstandards hochzuhalten. Die Technologie steht bereit, das Kapital ebenfalls; es fehlt der Mut zur Umsetzung. Chinas neues Megaprojekt ist kein Science‑Fiction, sondern Realität – und es hält uns den Spiegel vor. Wenn Europa und insbesondere Deutschland nicht endlich ins Handeln kommen, wird der Rückstand von gefühlten hundert Jahren bald sehr real sein.