Dubai Telegraph - Weltordnung: Epochenwechsel?

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Weltordnung: Epochenwechsel?




Die jahrzehntelange Dominanz der Vereinigten Staaten prägte die internationale Politik, stützte Allianzen und ermöglichte offenen Handel. Dieses Gefüge, oft als „Pax Americana“ bezeichnet, gerät jedoch ins Wanken. Der innenpolitische Kurswechsel in Washington steht für eine Abkehr von globalen Verpflichtungen und markiert den Abschied von der Rolle als Weltpolizist. Nationale Interessen werden in den Vordergrund gestellt, freie Handelsabkommen infrage gestellt und Partnerstaaten aufgefordert, ihre Sicherheitslasten selbst zu tragen. Die Ordnung, die sich einst auf militärische Übermacht, wirtschaftliche Offenheit und liberale Werte stützte, verliert damit ihre Grundlage.

Gleichzeitig formiert sich eine Welt, die stärker von regionalen Machtzentren geprägt ist. Revisionistische Akteure wie Russland und der Iran testen Grenzen, während das autoritär regierte China als systemischer Rivale auftritt. In Europa lösten die neuen Töne aus Washington eine Schockwelle aus. Politische Spitzenvertreter betonen inzwischen offen die Notwendigkeit, Unabhängigkeit von den USA zu gewinnen und selbst Verantwortung für die eigene Sicherheit zu übernehmen. In dieser Situation ist klar, dass althergebrachte Selbstverständlichkeiten des transatlantischen Bündnisses nicht mehr gelten.

Europas Realität nach dem Ende der Pax Americana
Die Rückkehr eines US‑Präsidenten, der „America First“ ernst nimmt, wirkt in Europa als Katalysator für einen grundlegenden Strategiewechsel. Mitglieder der neuen Regierung in Washington ließen keinen Zweifel daran, dass Europa künftig die Hauptlast der Kontinentalverteidigung und der Stabilisierung seiner Nachbarschaft tragen muss. Zugleich wird die US‑Außenpolitik von innenpolitischen Reformen geprägt, die das Land in Richtung einer illiberalen Großmacht verändern. Für Europa bedeutet das: Eine Politik der reinen Anpassung ist riskant, denn Abhängigkeit verschafft keinen Schutz, sondern schwächt die eigene Innovationsfähigkeit und Souveränität.

Diese Erkenntnis trifft auf eine geopolitische Landschaft, in der das Kräfteverhältnis flacher geworden ist. Revisionistische Kriege, etwa Russlands Angriff auf die Ukraine, zeigen, dass die Vereinigten Staaten weder über die unangefochtene Macht noch den Willen verfügen, den Status quo überall zu verteidigen. In Asien stehen die USA einer selbstbewussten chinesischen Führung gegenüber, die regionalen Einfluss ausbaut, während Russland und Iran im Nahen Osten ihre Interessen aggressiv verfolgen. In dieser Lage muss Europa Machtpolitik neu denken und seine wirtschaftlichen und sicherheitspolitischen Interessen diversifizieren.

Ökonomische Gründe für den Blick nach Osten
Auch wirtschaftliche Entwicklungen drängen zu einer Neuausrichtung. Während die Industriekonjunktur der Euro‑Zone Ende 2025 in eine tiefe Abkühlung rutschte, verzeichneten die großen asiatischen Exportnationen ein Comeback. In Süd‑Korea und Taiwan stiegen die Einkaufsmanagerindizes wieder über die Wachstumsschwelle, getrieben von boomender Nachfrage nach Halbleitern und künstlicher Intelligenz. Viele südostasiatische Länder halten trotz weltweiter Unsicherheiten ihr hohes Wachstumstempo. Europas Nachfrage nach Industrieprodukten schwächt sich hingegen ab, Unternehmen üben sich in Vorsicht, und die Produktion schrumpft. Diese divergierenden Trends zeigen, dass die dynamischsten Märkte und Technologien zunehmend in Asien entstehen.

Weitere Faktoren verstärken den Druck. Protektionistische Maßnahmen der USA und der Brexit erschweren traditionellen Handel über den Atlantik. Europäische Regierungen erkennen, dass eine einseitige Abhängigkeit von einem Partner erhebliche Risiken birgt. Der spanische Regierungschef reiste deshalb im vergangenen Jahr nach Vietnam und China, um Handelsabkommen voranzutreiben. Seine Botschaft: Handelskriege nützen niemandem, weshalb man alternative Märkte braucht. Die Europäische Union bittet inzwischen asiatische Partner um Unterstützung dabei, Handelsströme zu überwachen und sucht nach Wegen, US‑Zollschranken zu umgehen.

Der Indo‑Pazifik als Schlüsselregion
Asien ist längst mehr als nur Produktionsstätte: Rund sechzig Prozent der Weltbevölkerung leben im indo‑pazifischen Raum, der mehr als die Hälfte des globalen Bruttoinlandsprodukts erwirtschaftet. Dieser Raum erstreckt sich vom Indischen Ozean bis zum Pazifik und umfasst Länder wie Indien, Japan, Indonesien, Neuseeland und die pazifischen Inselstaaten. Deutschlands Außenpolitik spricht inzwischen offen davon, dass sich die politischen und ökonomischen Gewichte in diese Region verschieben. Die Regierung formulierte Leitlinien für den Indo‑Pazifik und bezeichnet die Region als Schlüssel zur Gestaltung der internationalen Ordnung im 21. Jahrhundert.

Zwei Aspekte stehen im Mittelpunkt: Erstens erkennt Europa, dass China zwar weiterhin ein bedeutender Markt bleibt, aber zugleich ein machtorientierter Wettbewerber ist. Zweitens sollen Beziehungen zu anderen asiatischen Staaten vertieft werden, um die Abhängigkeit von Peking zu reduzieren. Deutschland und Japan, beide stark exportorientiert und mit alternden Bevölkerungen, wollen daher enger in Sicherheitsfragen zusammenarbeiten. Sie teilen die Sorge vor einer unberechenbaren US‑Handelspolitik und streben nach Kooperation in Verteidigungs‑ und Rüstungsfragen. Gleichzeitig setzt die Bundesregierung auf Freihandelsabkommen mit Vietnam, Indonesien und Singapur und verhandelt derzeit mit Indien, Malaysia und den Philippinen. Besonders Indien wird als geopolitischer Gegenpol zu China und als Produktionsstandort geschätzt; europäische Direktinvestitionen dort nehmen zu.

Neue Partnerschaften und strategische Autonomie
Die tektonische Verschiebung führt dazu, dass europäische Akteure ihre Sicherheitspolitik neu ausrichten müssen. In der Vergangenheit verließen sich die EU‑Staaten auf die militärischen Kapazitäten der USA – vom Einsatzplan über die Aufklärung bis zur Zielbekämpfung. Diese einseitige Abhängigkeit lässt Europa heute nur eingeschränkt handlungsfähig. Experten warnen davor, diese Abhängigkeit weiter zu vertiefen; stattdessen sollen eigene Verteidigungsfähigkeiten ausgebaut und europäische Bündnisse gestärkt werden. Dazu gehören der Aufbau gemeinsamer Streitkräfte, die Entwicklung einer eigenständigen Militärstrategie und eine gezielte Verringerung der technologischen Abhängigkeit. Gespräche mit Ottawa, Neu‑Delhi und anderen Partnern sollen alternative Sicherheitsarrangements erschließen, während ein Dialog mit Moskau und Peking ohne direkte Einbindung Washingtons den eigenen Handlungsspielraum vergrößern soll.

Parallel verändert sich die Handelspolitik. Handelsströme verlagern sich allmählich von der angelsächsischen Welt nach Asien. Grafiken zum Außenhandel zeigen, dass sowohl Importe als auch Exporte mit China, Indien und den ASEAN‑Staaten stetig zunehmen. Die EU schließt neue Verträge und verhandelt weitere, um Zugang zu diesen Wachstumsmärkten zu sichern. Der angelsächsische Raum bleibt wichtig, aber die dynamische wirtschaftliche Entwicklung in Asien erhöht dessen relative Bedeutung für die europäische Exportwirtschaft. Die Achse der externen Nachfrage verschiebt sich schrittweise Richtung Osten.

Konsequenzen für Europa
Der Epochenwandel stellt Europa vor grundlegende Entscheidungen. Es reicht nicht, nostalgisch an die vermeintliche Sicherheit vergangener Jahrzehnte zu glauben. Europa muss in Machtkategorien denken lernen, eigene Interessen definieren und sich auf eine fragmentierte Weltordnung einstellen. Dabei gilt es, Stabilität in der Partnerschaft mit den USA zu wahren, ohne sich blind an einen unzuverlässigen Hegemon zu klammern.

Der Blick nach Asien ist keine Abkehr vom Westen, sondern Ausdruck strategischer Diversifizierung. Durch Investitionen in künstliche Intelligenz, saubere Energie und Biotechnologie kann Europa an der nächsten industriellen Revolution teilhaben und neue Wohlstandsquellen erschließen. Wichtig bleibt, in einer unsicheren Welt nicht allein zu reagieren, sondern aktiv zu gestalten: mit selbstbewussten Entscheidungen, neuen Allianzen und klaren Zielen.

Die Pax Americana mag vorbei sein, doch in der neuen Ordnung eröffnen sich Chancen. Europa kann als eigenständiger Akteur auftreten, wenn es bereit ist, Verantwortung zu übernehmen und sich nicht zwischen den Großmächten zu zermalmen zu lassen. Der Weg nach Osten ist dabei ein logischer Schritt – aus wirtschaftlicher Notwendigkeit, geostrategischer Klugheit und dem Wunsch nach Souveränität.



Vorgestellt


WakeBASE-Sprung vom Dubai Infinity Pool

Das Projekt mit dem Namen "WakeBASE" beinhaltete eine einzigartige Kombination aus Drohnen-Wakeskating und BASE-Jumping.Schauplatz dieses Kunststücks war das Address Beach Resort in Dubai, dessen Infinity-Pool 294 Meter über dem Meeresspiegel liegt und damit den Guinness-Weltrekord hält.Grubbs Herausforderung begann mit einem 94 Meter langen Wakeskating über den Pool auf dem Dach, wobei er von einer speziell entwickelten Drohne gezogen wurde.Der Stunt gipfelte in einem BASE-Sprung vom Rand des Pools, bei dem Grubb 77 Stockwerke hinabsprang, bevor er erfolgreich am Strand landete. Diese Leistung war die Verwirklichung von Grubbs siebenjährigem Traum und ein historischer Meilenstein im Extremsport.Um sich auf "WakeBASE" vorzubereiten, unterzog sich Grubb einem rigorosen Training mit der BASE-Sprunglegende Miles Daisher.Obwohl er im Dezember 2022 erst 26 BASE-Sprünge absolviert hatte, absolvierte Grubb 106 Sprünge während seines Trainings, das in Idaho, USA, und Lauterbrunnen, Schweiz, einem renommierten BASE-Sprungort, stattfand.Das Projekt umfasste auch eine Partnerschaft mit Prada, das maßgeschneiderte, für die Anforderungen von Wakeskating und BASE-Jumping optimierte Kleidung zur Verfügung stellte.Die Drohne, die bei diesem Stunt zum Einsatz kam, wurde von einem Team unter der Leitung von Sebastian Stare mit spezieller Hard- und Software entwickelt, die auf die Anforderungen von "WakeBASE" zugeschnitten ist.Die Wahl des Address Beach Resorts in Dubai war von strategischer Bedeutung, da der hohe Infinity-Pool und das architektonische Layout sowohl für den Wakeskate-Lauf als auch für den BASE-Sprung ideal waren.

Lass dich von Dubai und seinem Zauber überraschen

Lass dich von Dubai und seinem Zauber überraschen

Chinas gigantischer Vorsprung

Während in Deutschland Aktenordner mit Gutachten, Einsprüchen und Ausschreibungsunterlagen in den Behörden verstauben, setzen in China bereits die ersten Züge, Flugzeuge oder Ströme von Wasser ihre Reise durch neue Großprojekte fort. Dieser Kontrast ist keine moralische Bewertung, sondern der sichtbarste Unterschied zwischen zwei Systemen. Die Bundesrepublik ringt mit maroder Infrastruktur, komplizierten Genehmigungsprozessen und politischen Grabenkämpfen, während Peking mit atemberaubender Geschwindigkeit Brücken, Tunnel, Städte und Solarkraftwerke aus dem Boden stampft.Der Tunnel unter dem Bohai-MeerEin Beispiel für diesen Vorstoß ist der geplante Unterwassertunnel unter der Bohai-See, der die Hafenstädte Dalian und Yantai miteinander verbinden soll. Mit einer Länge von rund 120 Kilometern wäre er der längste Unterseetunnel der Welt. Die Fahrtzeit zwischen beiden Städten soll künftig nicht mehr sechs bis acht Stunden über Fähren oder lange Straßenumwege betragen, sondern nur noch etwa vierzig Minuten. Geplant sind zwei parallele Röhren für Hochgeschwindigkeitszüge, die mit bis zu 240 Kilometern pro Stunde durch das Gestein rasen. Ingenieure entwickeln spezielle Sensoren, wasserdichte Kammern und Notinseln, um dem seismisch aktiven Gebiet gerecht zu werden. Während Europa seit Jahrzehnten über eine lediglich drei Kilometer lange Brücke über die Meerenge von Messina debattiert, treibt China ein Projekt voran, das fast vierzigmal so lang ist und die Wirtschaftskraft ganzer Regionen enger vernetzen soll.Der Zug der ZukunftChina verfügt bereits über das weltweit längste Netz für Hochgeschwindigkeitszüge. Die Verbindung von Peking nach Guangzhou erstreckt sich über rund 2 300 Kilometer. Ein Zug nach Lhasa erklimmt Höhen von 5 000 Metern. Nun wagt sich China an einen Zug, der nicht mehr an die Atmosphärenluft gebunden ist: In Harbin im Nordosten soll demnächst eine Versuchsstrecke für einen Magnetschwebebahn‑Zug entstehen, der in einem teilvakuumierten Tunnel auf bis zu 1 000 Kilometer pro Stunde beschleunigt wird. Diese Geschwindigkeit wäre mehr als doppelt so hoch wie bei der aktuellen Transrapid‑Strecke in Shanghai. Der Betreiber World Artery sieht in dem Projekt einen Durchbruch für den Personen‑ und Güterverkehr, die Technologie könnte den Flugverkehr auf mittleren Distanzen ersetzen. Herausforderungen liegen in der Sicherheit der Passagiere und den immensen Baukosten. Gleichwohl zeigt das Projekt, wie ehrgeizig China die Grenzen der Ingenieurskunst verschiebt.Die Umleitung der FlüsseNicht nur Züge rollen in Rekordzeit, auch gewaltige Wassermassen werden umgeleitet. Seit dem Jahr 2014 fließen im Rahmen des Süd‑Nord‑Wasserumleitungsprojekts Milliarden Kubikmeter Wasser vom wasserreichen Yangtze ins trockene Nordchina. Bis Mai 2026 wurden mehr als 88 Milliarden Kubikmeter in Richtung Peking und weitere Metropolen geleitet, nahezu 200 Millionen Menschen profitieren davon. Der Osten‑ und der Zentralarm der gigantischen Anlage versorgen 48 Großstädte, die Wasserqualität liegt laut Regierung durchgängig auf hohem Niveau. Allein die zentrale Route hat über 78 Milliarden Kubikmeter transportiert. Rund 13 Milliarden Kubikmeter dienten als ökologische Auffrischung, wodurch Flüsse wieder aufgefüllt und Grundwasserspiegel angehoben wurden. In Europa wäre eine Umleitung dieser Größenordnung unvorstellbar – hier werden Pipelines über wenige Kilometer bereits von Bürgerinitiativen und Umweltauflagen ausgebremst.Solarkraft auf dem MeerAuch im Bereich der erneuerbaren Energien setzt China Maßstäbe. Vor der Küste der Provinz Shandong hat der staatliche Energiekonzern eine schwimmende Solaranlage mit einer Leistung von einem Gigawatt ans Netz angeschlossen. Die Anlage besteht aus fast 3 000 schwimmenden Plattformen auf einer Fläche von über 1 200 Hektar, ist über ein 66‑Kilovolt‑Seekabel mit dem Festland verbunden und verfügt über ein integriertes Energiespeichersystem sowie Fischzuchtbecken. Mit einem Investitionsvolumen von etwa 1,2 Milliarden US‑Dollar soll die Anlage jährlich rund 1,78 Terawattstunden Strom liefern – genug, um Millionen Menschen mit sauberer Energie zu versorgen. Europa plant derweil kleinteilig und streitet über den Bau einzelner Windparks; in China wird ein ganzer Solarpark auf dem offenen Meer errichtet, der Fischerei, Energiegewinnung und Netzstabilität miteinander verbindet.Deutschland zwischen Stillstand und ErneuerungDie Lage in Deutschland wirkt im Vergleich dazu trist. Ein Brückeneinsturz bei Dresden im Jahr 2024 und Risse auf dem Berliner Stadtring, die jahrelange Sperrungen nach sich ziehen, stehen exemplarisch für den Zustand der Infrastruktur. Öffentliche Investitionen liegen seit Jahrzehnten auf einem Tiefstand; nach Angaben des Deutschen Instituts für Urbanistik beträgt der Anteil der öffentlichen Ausgaben gemessen am Bruttoinlandsprodukt heute weniger als die Hälfte im Vergleich zur Hochphase der 1970er Jahre. Die Folgen sind spürbar: Jede vierte Person in Deutschland hat keinen Zugang zu öffentlichem Nahverkehr, die Deutsche Bahn musste im vergangenen Jahr rund zweihundert Millionen Euro Entschädigungen wegen Verspätungen zahlen. Großprojekte wie der Bahnhof Stuttgart 21 oder der Hauptstadtflughafen BER wurden von Kostenexplosionen und jahrelangen Verzögerungen begleitet.Die Ursachen sind vielfältig: ein Dickicht aus Bau‑ und Vergaberecht, das selbst Kommunen lähmt; ein Personalmangel in Verwaltungen und Bauwirtschaft, weil viele Fachkräfte in den Ruhestand gehen; und eine politische Kultur, die den Konsens sucht, aber Entscheidungen verzögert. Eine Umfrage des Urbanistik‑Instituts ergab, dass in rund sechzig Prozent der Kommunen Bauprojekte aufgrund rechtlicher Vorgaben mindestens um ein Jahr verschoben werden müssen. Gleichzeitig belasten die Energiewende und die Digitalisierung die Investitionsbudgets zusätzlich; allein der Umbau zu einer klimaneutralen Wirtschaft wird auf mehr als eine Billion Euro geschätzt.Was der Vergleich lehrtDer Blick nach China zeigt, wie Zukunft gestaltet werden kann, wenn politischer Wille, staatliche Finanzierung und technologische Ambition zusammentreffen. Das bedeutet nicht, dass europäische Standards für demokratische Mitsprache, Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit über Bord geworfen werden sollten. Chinas Megaprojekte werden von massiven Umweltfolgen und der Umsiedlung ganzer Dörfer begleitet, und nicht jede Schnellbaumaßnahme wäre hierzulande wünschenswert. Doch der Vorsprung ist so deutlich, dass er unsere eigene Trägheit entlarvt. Während China an einem Tunnel von 120 Kilometern Länge plant, stauen sich in Deutschland die Akten für eine Ortsumgehung; während ein Magnetschwebebahn‑Zug mit 1 000 Kilometern pro Stunde getestet wird, diskutieren wir über Nachtzüge; während Millionen Menschen im Norden Chinas über einen Wasserkanal versorgt werden, drohen bei uns Dürresommer und sinkende Grundwasserspiegel.Es geht nicht darum, chinesische Praktiken zu kopieren, sondern darum, aus ihnen zu lernen: Genehmigungsverfahren zu straffen, Planungs‑ und Bauzeiten zu verkürzen und zugleich Umwelt‑ und Sozialstandards hochzuhalten. Die Technologie steht bereit, das Kapital ebenfalls; es fehlt der Mut zur Umsetzung. Chinas neues Megaprojekt ist kein Science‑Fiction, sondern Realität – und es hält uns den Spiegel vor. Wenn Europa und insbesondere Deutschland nicht endlich ins Handeln kommen, wird der Rückstand von gefühlten hundert Jahren bald sehr real sein.