Dubai Telegraph - Der Untergang von New York?

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Der Untergang von New York?




New York City (USA) gilt seit Jahrzehnten als Zentrum für Finanzen, Kultur und Innovation. Doch in den letzten Jahren mehren sich Berichte über einen Exodus von Einwohnern, Unternehmen und Vermögenden. Daten zeigen, dass die Stadt seit Beginn der Pandemie erhebliche Bevölkerungsverluste verzeichnete: Zwischen April 2020 und Juli 2022 schrumpfte die Bevölkerung um 5,3 Prozent – rund 468 000 Menschen verließen die Stadt. Zwar wuchs die Bevölkerung seit 2023 wieder durch Zuzug aus dem Ausland, doch die Abwanderung von Talenten und Kapital hat Spuren hinterlassen. Dieser Artikel beleuchtet, was hinter der Abwanderung steckt, wie stark sie tatsächlich ist und welche Folgen sie für New York haben könnte.

Abwanderung von Talenten und Einwohnern
Die Pandemie markierte einen Wendepunkt für New York. Von April 2020 bis Juli 2022 verließen laut dem New‑York‑State‑Comptroller-Bericht 468 293 Einwohner die Stadt. Der Rückgang betraf vor allem Familien mit Kindern und Menschen mit geringem oder mittlerem Einkommen. Ein Faktencheck des Portals New York Focus ergab, dass Arbeiterfamilien und die Mittelschicht New York deutlich häufiger verlassen als Wohlhabende. 90 Prozent des Verlustes gingen demnach auf das Konto der Stadt, insbesondere von Schwarzen und hispanischen Haushalten sowie Familien mit Kindern. Dennoch hat sich die Einwohnerzahl wieder stabilisiert: Zwischen Juli 2023 und Juli 2024 wuchs die Bevölkerung dank Zuwanderung um 87 000 Personen und erreichte 8,478 Millionen. Alle fünf Boroughs verzeichneten Wachstum, wobei Manhattan als erster Bezirk wieder zulegte.

Wer verlässt die Stadt?
Die Annahme, dass vor allem Milliardäre und Millionäre die Stadt verlassen, wird nicht durch die Daten gestützt. Eine Studie der Umzugsplattform MovingPlace, die 24 Millionen Umzüge zwischen Juni 2024 und Oktober 2025 analysierte, zeigte, dass Menschen mit mittleren Einkommen (51 000–200 000 $) den größten Anteil der Auswanderer stellten. Die Einkommensgruppe 51 000–100 000 $ führte mit rund 66 000 Umzügen, gefolgt von der Gruppe 101 000–200 000 $. Wohlhabende Haushalte mit mehr als 200 000 $ Einkommen machten nur etwa 7–8 Prozent der Abwanderer aus. Während 2018–2022 rund 30 000 New Yorker mit insgesamt 9,2 Milliarden $ Einkommen nach Südflorida zogen, verließen High-Earner die Stadt laut der Fiscal Policy Institute nur selten: Die Top 1 Prozent der Einkommensbezieher ziehen viermal seltener um als der durchschnittliche New Yorker.

Der Wegzug von Millionären und Vermögenden
New York bleibt zwar eine Stadt der Vermögenden, doch der relative Anteil schrumpft massiv. Ähnlich wie in Europa, hier zum Beispiel in der Bundesrepublik Deutschland, haben die Reichen die Nase von der hohen Besteuerung und Gängelung durch die Politik voll und verlassen mit Sack und pack, samt ihren Unternehmen und damit vor allem inklsuvie ihrer Steuern, die massive Über-Bürokratisierung in Deutschland und vor allem in New York!
Laut Berechnungen der Citizens Budget Commission (CBC) fiel der Anteil New Yorks an US‑Millionären von 12,7 Prozent im Jahr 2010 auf 8,7 Prozent im Jahr 2022. Florida gewann im gleichen Zeitraum 2,8 Prozentpunkte hinzu. Weil Millionäre einen großen Teil der Steuereinnahmen beisteuern, kostete dieser Rückgang Stadt und Staat 2022 geschätzt 13 Milliarden $ an entgangenen Einkommensteuern. Der Bericht zeigt, dass Millionäre trotz der sinkenden Anteile weiter zulegen: Ihre Zahl verdoppelte sich in New York von 2010 bis 2022 auf 69 780; in Florida hingegen vervierfachte sie sich im gleichen Zeitraum. New York City bleibt dennoch Heimat von fast der Hälfte aller Millionäre des Bundesstaates.

Steuerlast und Abwanderungsdruck
New York hat die höchsten staatlichen und kommunalen Einkommensteuersätze des Landes. Für Einwohner mit einem Einkommen über 25 Millionen $ beträgt der kombinierte staatliche und städtische Spitzensteuersatz 14,776 Prozent, deutlich mehr als der Spitzensteuersatz von 13,3 Prozent in Kalifornien. Ein geplanter Zuschlag von zwei Prozentpunkten für Einkommen über 1 Million $ würde den Satz auf 16,8 Prozent erhöhen. Kritiker warnen, dass dies die Zahl der Millionäre weiter reduzieren könnte. Hochverdiener leisten bereits jetzt einen unverhältnismäßigen Beitrag: Die Top 1 Prozent der Steuerzahler – etwa 34 000 Personen – zahlen 40 Prozent der städtischen Einkommensteuer. Der CBC rechnet vor, dass New York 2022 rund 32 000 zusätzliche Millionäre gebraucht hätte, um die Einnahmen des Jahres 2010 zu halten.

Migration der Superreichen
Die Daten zeigen, dass eine begrenzte Zahl von Vermögenden New York verlässt. Eine Untersuchung der Fiscal Policy Institute ergab, dass die Abwanderung der Top 1 Prozent nach einer Steuererhöhung 2021 nur 0,2 Prozent betrug. 72,9 Prozent der wenigen Vermögenden, die gingen, zogen in andere Staaten mit ähnlich hohen Steuersätzen wie Connecticut oder New Jersey. Der Soziologe Cristobal Young analysierte Steuerdaten aller US‑Millionäre von 1999 bis 2011 und stellte fest, dass nur 2,4 Prozent der Millionäre pro Jahr den Wohnsitz wechseln, weniger als die allgemeine Bevölkerung. Noch seltener ziehen sie in Staaten mit niedrigen Steuern: Nur 0,3 Prozent wechseln pro Jahr in ein Niedrigsteuergebiet. Das legt nahe, dass Steuern allein selten der ausschlaggebende Faktor sind.

Unternehmensverlagerungen und Jobverluste
Nicht nur Menschen, auch Unternehmen verlassen New York. Besonders betroffen ist die Finanzbranche. Zwischen Januar und August 2024 verlor die Stadt rund 8 400 Arbeitsplätze im Finanzsektor, während Texas im gleichen Zeitraum 519 000 Finanzdienstleistungsstellen zählte, mehr als die 507 000 in New York. Der US‑Konzern J.P. Morgan beschäftigt inzwischen mehr Mitarbeiter in Texas als in New York. Als Gründe nennen Unternehmen die hohe Steuerlast, teure Mieten und strenge Regulierung. Die Citizens Budget Commission weist darauf hin, dass New York pro Kopf 23 Prozent mehr Steuern erhebt als Kalifornien und 79 Prozent mehr als der nationale Durchschnitt.

Florida als Profiteur
Florida gilt als Hauptprofiteur des Trends. Ein Bericht der CBC und Medienrecherchen zeigen, dass mehr als 125 000 New Yorker zwischen 2018 und 2022 nach Florida umzogen und rund 14 Milliarden $ Einkommen mitnahmen. Ein Drittel davon ließ sich in den Countys Miami‑Dade, Palm Beach und Broward nieder. Neue Meldungen im Herbst 2025 bestätigen den Boom: In der Woche nach der Bürgermeisterwahl in New York reichten mindestens 27 Unternehmen Anträge ein, ihre Tätigkeit in Florida auszuweiten, und neun Firmen beantragten die komplette Verlagerung. Der Bürgermeister von Boca Raton meldete, dass sich vier Konzernzentralen in Vorbereitung auf den Umzug befinden und viele weitere Firmen Interesse bekundeten. Florida‑Anwälte berichten, die Telefone stünden “nicht still”.

Mehrere bekannte Unternehmen haben ihre Zentrale bereits verlegt oder planen dies:

-  Foot Locker: Der Fortune‑500‑Händler kündigte im August 2024 an, seine globale Konzernzentrale bis Ende 2025 von New York nach St. Petersburg in Florida zu verlagern. Der Konzern will dort mindestens 150 Arbeitsplätze schaffen und nur eine kleine Präsenz in New York behalten.

-  ARK Invest: Die Vermögensverwaltung von Cathie Wood gab 2021 bekannt, die Zentrale nach St. Petersburg zu verlegen. Sie lobte die Talentbasis und Lebensqualität in Tampa Bay und schloss das New‑York‑Büro Ende Oktober 2021.

-  Dynasty Financial Partners: Der Vermögensverwalter verlegte bereits 2019 seine Zentrale von Manhattan nach Florida, weil der Standort wirtschaftliche Vorteile, eine starke Infrastruktur und eine wachsende Finanzdienstleistungsbranche bot.

Ein Bericht der Wirtschaftsförderung in Boca Raton schätzt, dass Unternehmen durch den Umzug aus Midtown Manhattan jährlich rund 7,5 Millionen $ sparen können, da die Mietkosten um 48 Prozent niedriger, die Arbeitskosten um 17,5 Prozent geringer und die Strompreise um 55 Prozent niedriger sind. Laut demselben Bericht können Firmen ihre Gesamtkosten um 22,5 Prozent senken.

Ursachen der Abwanderung
Hohe Steuern und Lebenshaltungskosten gelten als wichtigste Gründe für den Exodus. Laut CBC zahlen Einwohner mit mehr als 25 Millionen $ Einkommen einen Spitzensteuersatz von fast 15 Prozent, während Florida keine staatliche Einkommensteuer erhebt. Eine hypothetische Verlegung des Wohnsitzes könnte High‑Earnern jährlich bis zu 3,7 Millionen $ sparen. Zusätzlich liegen die Büromieten in Boca Raton fast 48 Prozent unter denen Manhattans, und auch Löhne und Energie sind deutlich günstiger.

Lebensqualität und Sicherheit
Neben finanziellen Motiven spielen die Lebensqualität, Sicherheit und Wohnraum eine entscheidende Rolle. Die CBC‑Befragung "Straight from New Yorkers 2025" zeigt, dass nur 34 Prozent der Bewohner ihre Lebensqualität als gut oder sehr gut bewerten – 2017 waren es noch 51 Prozent. Die Sicherheitsbewertungen sind alarmierend: Nur 42 Prozent empfinden ihre Nachbarschaft als sicher. Besonders negativ werden die U‑Bahn‑Sicherheit und die Verfügbarkeit bezahlbarer Wohnungen beurteilt. Entsprechend gaben in der Umfrage 45 Prozent der Einwohner an, sie könnten sich einen Umzug innerhalb der nächsten fünf Jahre vorstellen; die wichtigsten Gründe waren hohe Wohnkosten (76 Prozent), Sicherheitsprobleme (73 Prozent) und fehlender Wohnraum (60 Prozent).

Fernarbeit und Demografie
Die Pandemie verstärkte den Trend zur Fernarbeit und ermöglichte vielen Beschäftigten, ihren Wohnort zu wechseln. So nutzten zahlreiche Angestellte der Finanzbranche die Möglichkeit, von Orten mit niedrigerem Steuerniveau aus zu arbeiten. Gleichzeitig veränderte die Demografie den Arbeitsmarkt: Die Wall-Street-Bonuspool lag 2024 zwar bei rekordhohen 47,5 Milliarden $, doch die Zahl der Finanzarbeitsplätze in New York sank, und der nationale Anteil dieses Sektors ging von 33 Prozent im Jahr 1990 auf 18 Prozent zurück.

Mythos oder Realität – wie groß ist der Exodus wirklich?
Medien berichten häufig von einem "Massenauszug" der Reichen. Tatsächlich ist die Lage komplexer und vielschichtiger. Studien zeigen, dass Millionäre weniger mobil sind als andere Bevölkerungsgruppen: Nur 2,4 Prozent der US‑Millionäre wechseln jedes Jahr den Wohnsitz, gegenüber 2,9 Prozent der Gesamtbevölkerung. Nach Steuererhöhungen 2021 lag die Netto-Abwanderung der Top‑1‑Prozent‑Einkommensgruppe bei gerade einmal 0,2 Prozent. Zudem ziehen die wenigen Abwanderer meist in andere Hochsteuerstaaten. Untersuchungen von Patriotic Millionaires bestätigen: Nur 0,3 Prozent der Millionäre wechseln pro Jahr in ein Niedrigsteuergebiet.

Gleichzeitig zeigen Daten der CBC, dass der Anteil New Yorks an den US‑Millionären schrumpft und die Stadt hohe Steuerverluste riskiert. Finanzunternehmen bauen verstärkt Arbeitsplätze in günstigere Regionen aus, und die lokale Wirtschaft verliert Fachkräfte. Eine massive Abwanderung findet also nicht als plötzlicher "Reichen-Run" statt, sondern als schleichende Verschiebung von Unternehmen, mittleren Einkommen und in geringerem Maß auch Vermögenden.

Ausblick und Handlungsoptionen
New York bleibt trotz aller Herausforderungen ein wirtschaftliches Schwergewicht. Die Bevölkerungszahl wächst wieder, und die Stadt zieht weiterhin internationale Talente an. Doch die Abwanderung von Unternehmen und wohlhabenden Steuerzahlern schwächt den Haushalt und gefährdet die Finanzierung öffentlicher Dienste. Um den Trend zu stoppen oder abzuschwächen, sind mehrere Schritte denkbar:

-  Steuerliche Wettbewerbsfähigkeit: Eine Reform der städtischen und staatlichen Einkommensteuer könnte die Attraktivität erhöhen. Gleichzeitig sollten Investitionen in Infrastruktur und Bildung erhalten bleiben, da diese Faktoren für Talente wichtiger sind als niedrige Steuern allein.

-  Verbesserung der Lebensqualität: Höhere Investitionen in Sicherheit, Wohnungsbau und Stadtpflege könnten die Zufriedenheit der Einwohner steigern. Die Umfrage "Straight from New Yorkers" macht deutlich, dass diese Faktoren die Entscheidung zum Bleiben oder Gehen stark beeinflussen.

-  Förderung des Mittelstands: Da Menschen mit mittleren Einkommen die größte Abwanderergruppe darstellen, sollten Politik und Wirtschaft auf erschwinglichen Wohnraum und familienfreundliche Rahmenbedingungen setzen.

-  Unternehmensfreundliches Klima: Bürokratische Hürden abbauen und langfristige Standortstrategien entwickeln. Die Beispiele St. Petersburg und Boca Raton zeigen, dass ein proaktives Anwerben von Firmen – kombiniert mit niedrigen Kosten – erfolgreich sein kann.

Fazit
Das Bild vom "Untergang" New Yorks greift zu kurz, doch die Stadt steht vor ernsthaften Herausforderungen. Eine Kombination aus hoher Steuer- und Lebenshaltungskosten, unzufriedenen Einwohnern und attraktiven Alternativen in Florida und Texas führt zu spürbaren Abwanderungsbewegungen, insbesondere von Talenten der Mittelschicht und wachsenden Unternehmensumzügen. Gleichzeitig bleiben die allerreichsten New Yorker erstaunlich sesshaft und halten die Steuerbasis bislang stabil. Ob die Stadt ihre Stellung als unangefochtene Metropole behaupten kann, hängt davon ab, wie sie auf diese Entwicklungen reagiert – mit kluger Steuerpolitik, verbesserten Lebensbedingungen und dem Ausbau ihrer wirtschaftlichen Stärken.



Vorgestellt


WakeBASE-Sprung vom Dubai Infinity Pool

Das Projekt mit dem Namen "WakeBASE" beinhaltete eine einzigartige Kombination aus Drohnen-Wakeskating und BASE-Jumping.Schauplatz dieses Kunststücks war das Address Beach Resort in Dubai, dessen Infinity-Pool 294 Meter über dem Meeresspiegel liegt und damit den Guinness-Weltrekord hält.Grubbs Herausforderung begann mit einem 94 Meter langen Wakeskating über den Pool auf dem Dach, wobei er von einer speziell entwickelten Drohne gezogen wurde.Der Stunt gipfelte in einem BASE-Sprung vom Rand des Pools, bei dem Grubb 77 Stockwerke hinabsprang, bevor er erfolgreich am Strand landete. Diese Leistung war die Verwirklichung von Grubbs siebenjährigem Traum und ein historischer Meilenstein im Extremsport.Um sich auf "WakeBASE" vorzubereiten, unterzog sich Grubb einem rigorosen Training mit der BASE-Sprunglegende Miles Daisher.Obwohl er im Dezember 2022 erst 26 BASE-Sprünge absolviert hatte, absolvierte Grubb 106 Sprünge während seines Trainings, das in Idaho, USA, und Lauterbrunnen, Schweiz, einem renommierten BASE-Sprungort, stattfand.Das Projekt umfasste auch eine Partnerschaft mit Prada, das maßgeschneiderte, für die Anforderungen von Wakeskating und BASE-Jumping optimierte Kleidung zur Verfügung stellte.Die Drohne, die bei diesem Stunt zum Einsatz kam, wurde von einem Team unter der Leitung von Sebastian Stare mit spezieller Hard- und Software entwickelt, die auf die Anforderungen von "WakeBASE" zugeschnitten ist.Die Wahl des Address Beach Resorts in Dubai war von strategischer Bedeutung, da der hohe Infinity-Pool und das architektonische Layout sowohl für den Wakeskate-Lauf als auch für den BASE-Sprung ideal waren.

Lass dich von Dubai und seinem Zauber überraschen

Lass dich von Dubai und seinem Zauber überraschen

Chinas Angriff auf ASML

China macht Fortschritte beim Aufbau eigener Maschinen für die Chipfertigung. Doch ein EUV-Prototyp ist noch kein Ersatz für die Anlagen des niederländischen Marktführers. Entscheidend ist nicht allein, ob die Technik funktioniert, sondern ob sie zuverlässig und wirtschaftlich produziert.Kaum ein Unternehmen verkörpert die technologische Abhängigkeit der chinesischen Halbleiterindustrie so deutlich wie ASML. Der niederländische Konzern liefert die Maschinen, mit denen sich besonders anspruchsvolle Strukturen moderner Computerchips in industriellen Stückzahlen fertigen lassen. Seine EUV-Anlagen sind deshalb weit mehr als Investitionsgüter: Sie stehen im Zentrum eines Wettbewerbs um wirtschaftliche Macht, künstliche Intelligenz und technologische Eigenständigkeit.China will diese Abhängigkeit überwinden. Fortschritte bei eigenen Belichtungssystemen machen das Vorhaben greifbarer. Die Behauptung, ASMLs schlimmster Albtraum sei bereits Wirklichkeit geworden, geht allerdings zu weit. Ein ernst zu nehmender Herausforderer entsteht nicht mit dem ersten gelungenen Experiment. Er entsteht, wenn Kunden dessen Maschinen dauerhaft in ihre Fertigung integrieren können. Genau dort liegt der Haken hinter Chinas vermeintlichem Triumph.Der Prototyp und die entscheidende LückeIn Shenzhen soll Anfang 2025 ein chinesischer EUV-Prototyp fertiggestellt worden sein, der entsprechendes Licht erzeugen konnte. Ende 2025 hatte die Anlage jedoch noch keine funktionsfähigen Chips hergestellt. Als Entwicklungsziel wurde 2028 genannt; zugleich stand 2030 als vorsichtigere Einschätzung im Raum. Beide Jahreszahlen bezeichnen Erwartungen, keine erreichte Serienreife.Der Unterschied ist fundamental. Ein Versuchsaufbau kann zeigen, dass bestimmte technische Komponenten zusammenarbeiten. Eine Produktionsmaschine muss dagegen unter wechselnden Bedingungen berechenbare Ergebnisse liefern. Sie muss präzise bleiben, Wartungsintervalle überstehen und nach einem Eingriff wieder dieselbe Qualität erreichen. Ihre Leistungsfähigkeit bemisst sich nicht an einem besonders gelungenen Test, sondern an einer langen Folge reproduzierbarer Ergebnisse.Auch erste funktionsfähige Chips wären deshalb noch kein Beweis für wirtschaftliche Konkurrenzfähigkeit. Eine Fabrik braucht nicht nur einzelne erfolgreiche Bauteile. Sie braucht eine ausreichend hohe Ausbeute, also einen tragfähigen Anteil einwandfreier Chips an der gesamten Produktion. Bleibt dieser Anteil zu niedrig, verteilen sich die Herstellungskosten auf zu wenige verkäufliche Produkte. Eine technisch beeindruckende Anlage kann dadurch wirtschaftlich unbrauchbar bleiben.Warum das Licht allein nicht genügtEUV steht für extrem ultraviolette Strahlung. Die Lithografie arbeitet dabei mit einer Wellenlänge von 13,5 Nanometern. In ASMLs Systemen treffen leistungsstarke Laserpulse auf winzige Zinntropfen. Das entstehende Plasma emittiert das benötigte Licht, mit dem sich über eine strukturierte Maske feinste Muster auf eine lichtempfindliche Schicht des Siliziumwafers übertragen lassen.Doch dieses Licht lässt sich nicht wie in einem gewöhnlichen optischen Gerät durch Glaslinsen führen. Bereits Luft absorbiert die Strahlung. Der Strahlengang muss daher im Vakuum liegen; hochpräzise Mehrschichtspiegel übernehmen die optische Führung. Lichtquelle, Spiegel, Maske und die Positionierung des Wafers müssen als ein einziges System funktionieren.An dieser Stelle beginnt die eigentliche industrielle Schwierigkeit. Wärme verändert die Eigenschaften optischer Komponenten. Winzige Verschiebungen können die Deckung aufeinanderfolgender Strukturen beeinträchtigen. Verunreinigungen und Abbildungsfehler können Defekte verursachen. Sensoren, Messverfahren und Korrektursoftware müssen solche Einflüsse erkennen und ausgleichen. Es reicht nicht, jede Baugruppe für sich zu beherrschen; die Präzision muss im laufenden Betrieb erhalten bleiben.ASMLs Vorsprung besteht somit nicht nur aus einem Bauplan. Er steckt ebenso in Fertigungsprozessen, Messdaten, Wartungserfahrung und der Abstimmung mit den Chipproduzenten. Wer eine vergleichbare Anlage entwickeln will, muss dieses Zusammenspiel aufbauen. Gerade Erfahrungen aus dem Fabrikbetrieb lassen sich nicht vollständig durch zusätzliche Laborversuche ersetzen.Der nähere Angriff erfolgt über DUVNeben dem EUV-Projekt gewinnt Chinas Entwicklung eigener DUV-Anlagen an Bedeutung. Huawei unterstützt den Aufbau heimischer Ausrüstung und Zulieferer. Das Unternehmen Yuliangsheng arbeitet an entsprechenden Belichtungssystemen, die bei chinesischen Chipproduzenten erprobt werden. Für Ende 2026 steht das Ziel von zwölf Maschinen im Raum. Zugleich bleiben chinesische Hersteller in erheblichem Umfang auf ASML-Technik angewiesen.DUV und EUV dürfen dabei nicht verwechselt werden. Moderne ArF-DUV-Systeme nutzen Licht mit einer Wellenlänge von 193 Nanometern. Durch aufwendige Mehrfachstrukturierung lassen sich damit wesentlich feinere Strukturen erzeugen, als eine einzelne Belichtung erlauben würde. Ein komplexes Muster wird dazu in mehrere einfachere Muster zerlegt, deren Übertragung und weitere Verarbeitung sorgfältig aufeinander abgestimmt werden müssen.Dieser Weg eröffnet technische Möglichkeiten, verlangt aber zusätzliche Prozessschritte und besonders genaue Ausrichtung. Die höhere Komplexität kann die Fertigungsdauer verlängern, Kosten steigern und weitere Fehlerquellen schaffen. Ob das Verfahren wirtschaftlich trägt, hängt vom konkreten Chip und vom beherrschten Produktionsprozess ab. Die Existenz eines leistungsfähigen Prozessors verrät daher noch nicht, wie teuer oder aufwendig seine Herstellung war.Für ASML könnte ein konkurrenzfähiges chinesisches DUV-Angebot dennoch früher spürbar werden als ein EUV-Konkurrent. DUV bleibt auch in modernen Fabriken für zahlreiche Schichten notwendig. Ein heimischer Anbieter müsste deshalb nicht sofort die anspruchsvollsten Anwendungen übernehmen, um Geschäft zu gewinnen. Bereits verlässliche Maschinen für einen Teil der Produktion könnten Abhängigkeiten verringern und den Einstieg in größere Aufträge erleichtern.Eine eigene Maschine ist noch keine eigene LieferketteDie Vorstellung, China müsse lediglich eine niederländische Maschine nachbauen, unterschätzt die Aufgabe. Ein Belichtungssystem vereint hochspezialisierte Optik, Lichtquellen, Präzisionsmechanik, Steuerung und Software. Für den Produktionsbetrieb kommen Verbrauchsmaterialien, Ersatzteile, Prüftechnik und qualifiziertes Servicepersonal hinzu. Eine Schwachstelle kann die Leistung des gesamten Systems begrenzen.Daraus folgt ein strengerer Maßstab für technologische Unabhängigkeit. Eine Anlage, die an einem chinesischen Standort zusammengebaut wird, ist nicht automatisch unabhängig von ausländischen Komponenten. Entscheidend wäre, ob sich kritische Teile dauerhaft beschaffen, in gleichbleibender Qualität fertigen und bei Ausfällen ersetzen lassen. Selbst eine erfolgreiche Erstmontage beantwortet diese Fragen noch nicht.Gelingt es chinesischen Maschinenbauern, ihre Systeme schrittweise in heimischen Fabriken zu etablieren, entsteht allerdings ein wichtiger Vorteil: praktische Rückmeldung. Jeder Einsatz kann zeigen, welche Komponenten verschleißen, welche Korrekturen erforderlich sind und wo Produktivität verloren geht. Diese Lernprozesse könnten langfristig schwerer wiegen als einzelne spektakuläre Demonstrationen. Voraussetzung bleibt, dass die Anlagen den Betrieb tatsächlich unterstützen und nicht dauerhaft durch unzuverlässige Ergebnisse belasten.Exportkontrollen gewinnen Zeit, nicht GewissheitDie Exportbeschränkungen haben den Zugang Chinas zu modernster Lithografietechnik erheblich erschwert. ASML bekräftigte im Juni 2026, niemals EUV-Systeme oder eigens dafür entwickelte Komponenten nach China geliefert zu haben. Das ist zugleich eine wichtige Grenze der Debatte: Ein chinesisches Entwicklungsprojekt ist nicht mit einer nachgewiesenen Lieferung vollständiger ASML-EUV-Anlagen gleichzusetzen.Strategisch lassen sich aus dieser Lage zwei unterschiedliche Wirkungen ableiten. Fehlender Zugang zu Spitzentechnik kann Fortschritte verzögern und die Kosten der Aufholjagd erhöhen. Zugleich wächst der Anreiz, eigene Lösungen zu finanzieren und heimische Lieferanten auch dann zu erproben, wenn deren Produkte zunächst weniger leistungsfähig sind.Daraus folgt weder, dass Exportkontrollen wirkungslos wären, noch, dass sie einen technologischen Vorsprung dauerhaft garantieren könnten. Ihr langfristiger Nutzen hängt auch davon ab, wie die gewonnene Zeit eingesetzt wird. Eine Industrie, die ihre eigenen Entwicklungsprogramme vernachlässigt, lässt sich nicht allein durch Beschränkungen für Wettbewerber absichern.ASML steht nicht vor dem ZusammenbruchDie aktuellen Geschäftszahlen passen jedenfalls nicht zum Bild eines Konzerns, dessen Position bereits zusammengebrochen wäre. Im zweiten Quartal 2026 erzielte ASML rund 9,3 Milliarden Euro Umsatz und 2,9 Milliarden Euro Nettogewinn. Im Juli hob das Unternehmen seine Umsatzprognose für das Gesamtjahr auf 43 bis 45 Milliarden Euro an. Die Nachfrage wird wesentlich durch Investitionen in Rechenleistung und Speicher für künstliche Intelligenz getragen.Am 8. September 2026 begann ASML zudem mit dem Bau eines neuen Produktionscampus bei Eindhoven. Die erste Ausbaustufe soll bis 2029 zusätzliche Büros, Logistikflächen und Reinräume schaffen. Der Konzern erweitert damit seine industrielle Basis, statt sich auf die Verteidigung vorhandener Kapazitäten zu beschränken.Diese Entwicklung widerlegt chinesische Fortschritte nicht. Sie zeigt aber, weshalb zwei Zeithorizonte getrennt betrachtet werden müssen. Ein Unternehmen kann heute hohe Gewinne erzielen und zugleich vor einem ernsthaften langfristigen Wettbewerbsrisiko stehen. Umgekehrt ist ein potenzieller Konkurrent noch keine Erklärung für einen bereits eingetretenen Machtwechsel.Hinzu kommt, dass ASML seine Technik weiterentwickelt. Die High-NA-EUV-Generation vergrößert die numerische Apertur des optischen Systems von 0,33 auf 0,55 und ermöglicht eine höhere Auflösung. Sie soll besonders anspruchsvolle Strukturen mit weniger aufwendigen Prozessfolgen herstellen helfen. China arbeitet damit nicht auf ein unveränderliches Ziel hin: Während neue Anbieter frühere Hürden überwinden, verschiebt sich die technologische Spitze weiter.Woran sich der Durchbruch messen mussFür die weitere Entwicklung zählen deshalb weniger Ankündigungen als überprüfbare Ergebnisse. Entscheidend wäre zunächst, ob ein chinesisches EUV-System tatsächlich funktionsfähige Chips mit den vorgesehenen Eigenschaften herstellen kann. Danach müssten sich Qualität, Geschwindigkeit und Verfügbarkeit über längere Produktionsläufe bewähren. Schließlich wäre zu zeigen, dass sich solche Maschinen nicht nur einmal bauen, sondern wiederholt liefern und zuverlässig betreuen lassen.Erst dieses Gesamtbild würde einen belastbaren Vergleich mit ASML erlauben. Es müsste auch den Aufwand für Wartung, Verbrauchsmaterialien, Ersatzteile und Ausschuss berücksichtigen. Ein niedrigerer Kaufpreis wäre wenig wert, wenn eine Anlage häufiger ausfällt oder pro brauchbarem Chip wesentlich mehr Ressourcen verbraucht.Chinas Fortschritte sollten deshalb weder kleingeredet noch zum vollendeten Sieg erklärt werden. Eine technisch eigenständige Alternative könnte die Kräfteverhältnisse der Halbleiterindustrie verändern, auch ohne ASML sofort weltweit zu verdrängen. Ein großer Teil ihrer strategischen Wirkung läge bereits darin, chinesischen Herstellern eine verlässliche zweite Option zu verschaffen.Noch ist diese Option bei EUV nicht als kommerziell ausgereiftes Angebot belegt. Der eigentliche Haken liegt somit nicht hinter dem Durchbruch, sondern mitten darin: Zwischen einem Prototyp und industrieller Unabhängigkeit steht die Fähigkeit, Präzision dauerhaft in wirtschaftliche Produktion zu übersetzen. Für China ist das die nächste Bewährungsprobe. Für ASML wäre erst deren erfolgreiche Bewältigung der Beginn einer grundlegend anderen Wettbewerbslage.