Dubai Telegraph - Waldbrände in Frankreich und Spanien zwingen Zehntausende zur Flucht

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Waldbrände in Frankreich und Spanien zwingen Zehntausende zur Flucht

Waldbrände in Frankreich und Spanien zwingen Zehntausende zur Flucht

Die Waldbrände in Frankreich und Spanien haben am Freitag immer größere Gebiete erfasst und Zehntausende Menschen zur Flucht gezwungen. Nach Angaben von Innenminister Laurent Nuñez wurden im Südwesten Frankreichs seit Mittwoch rund 110.000 Menschen evakuiert, insbesondere in der Region um Bordeaux spitzte sich die Lage dramatisch zu. In Spanien wurden laut Innenministerium alleine im Raum Madrid 63.000 Menschen zur Evakuierung oder zum Verbleib in Gebäuden aufgefordert. Den Behörden zufolge war das Feuer dort "nicht zu löschen".

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Im französischen Département Gironde erklärte die Präfektin Sophie Brocas am Freitagabend, das dort wütende Feuer habe ein "beispielloses Ausmaß" angenommen und bewege sich auf den Großraum Bordeaux zu. Nach Angaben der Präfektur wurden in der Gironde bereits 19.000 Hektar Land verbrannt und 100 Gebäude zerstört.

Die Stadt Bordeaux selbst sei "vorerst" nicht bedroht, sagte Innenminister Nuñez dem Sender TF1. Die Behörden täten alles, um sie zu schützen. Präsident Emmanuel Macron forderte die Streitkräfte nach Angaben seines Umfelds auf, sich zu mobilisieren und den Zivilschutz "mit maximaler Verstärkung" zu unterstützen.

Regierungschef Sébastien Lecornu berief für den späten Abend einen interministeriellen Krisenstab ein. Nuñez sprach von einer "völlig beispiellosen Situation". Ein sich selbst verstärkendes Feuer dieser Größenordnung habe es in Frankreich noch nicht gegeben.

Auf der bei Urlaubern beliebten Halbinsel Cap-Ferret ordneten die Behörden eine vollständige Evakuierung an. Zehntausende Einwohner und Urlauber verließen das Gebiet über die einzige Straße in Richtung Bordeaux oder mit Booten über das Becken von Arcachon. Mehr als 800 Menschen erreichten nach Angaben der Stadtverwaltung auf dem Seeweg Arcachon.

Das Feuer könnte laut Staatsanwaltschaft durch eine bei Arbeiten an einer Hochspannungsleitung eingesetzte Freischneidemaschine ausgelöst worden sein, deren Nutzung zu diesem Zeitpunkt noch erlaubt war.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft wurde zudem gegen zwei Männer wegen Gefährdung des Lebens anderer ermittelt, nachdem sie beim Rauchen in Waldgebieten ertappt worden waren. Bei einem von ihnen stellten Gendarmen demnach fest, dass er am Vortag neben seinem Lagerplatz einen Grill angezündet hatte.

Nach dem Tod zweier Berufsfeuerwehrleute bei einem Einsatz in Mérignac nahe Bordeaux hatte die Staatsanwaltschaft ein schärferes Vorgehen gegen den Umgang mit Feuer in Waldgebieten angekündigt. Verstöße können in den Départements Gironde, Landes und Lot-et-Garonne mit bis zu einem Jahr Haft und 15.000 Euro Geldstrafe geahndet werden.

Etwa hundert Kilometer südlich von Bordeaux breitete sich ein Feuer von Biscarrosse in Richtung Parentis-en-Born aus. Dort lief nach Angaben des Präfekten des Départements Landes die Evakuierung von 8000 Einwohnern. Seit Donnerstagabend waren in der Umgebung bereits 23.000 Menschen in Sicherheit gebracht worden. Fünf Feuerwehrleute erlitten demnach leichte Verletzungen oder Beschwerden.

Insgesamt kämpften die Einsatzkräfte in Frankreich laut Innenminister Nuñez gegen 32 aktive Waldbrände unterschiedlicher Stärke. Seit Jahresbeginn seien bereits mehr als 50.000 Hektar Fläche verbrannt - fast dreimal so viel wie im entsprechenden Vorjahreszeitraum.

In Spanien verschärfte sich die Lage rund um die Hauptstadt Madrid. Das dortige Großfeuer sei "auf seinem Höhepunkt" und derzeit "nicht zu löschen", sagte der Leiter des Katastrophenschutzes der Regionalregierung, Carlos Novillo. Wegen starken Winds könne sich der Brand weiter ausbreiten.

Unter den 63.000 evakuierten oder zum Verbleib in Gebäuden aufgeforderten Menschen waren nach Angaben des spanischen Innenministeriums auch 5000 Urlauber auf einem Campingplatz. Regionalpräsidentin Isabel Díaz Ayuso sprach vom "schlimmsten Brand in der Geschichte" der Region Madrid und von einer "Katastrophe".

Zwei der drei Brände westlich der spanischen Hauptstadt waren nach Behördenangaben bereits zu einem Großfeuer verschmolzen. Ein Feuer aus der benachbarten Provinz Ávila zog jedoch weiter nach Norden als zunächst erwartet. Dies nährte laut Novillo die Hoffnung, dass es nicht ebenfalls mit dem Brand in der Region Madrid zusammentrifft.

Ministerpräsident Pedro Sánchez wollte am Samstag gemeinsam mit Innenminister Fernando Grande-Marlaska das Einsatzzentrum in Cenicientos bei Madrid besuchen und dort an einer Krisensitzung teilnehmen. Sánchez hatte von einer "dramatischen Situation" in mehreren spanischen Provinzen und in Nachbarländern gesprochen.

Im Zusammenhang mit dem Feuer in Ávila nahm die spanische Gendarmerie nach eigenen Angaben einen Mann fest. Wie die Guardia Civil weiter erklärte, soll er eine landwirtschaftliche Maschine in einem Gebiet eingesetzt haben, in dem dies wegen der Brandgefahr streng verboten war. Die dabei entstandenen Funken hätten vermutlich den Brand ausgelöst. Gegen einen weiteren Mann werde ermittelt.

Im nordöstlich von Madrid gelegenen Guadalajara entwickelte sich die Lage dagegen günstiger. Das Feuer hatte nach Angaben der Einsatzkräfte rund 32.000 Hektar erfasst, verlor aber an Intensität. Bewohner von 14 Gemeinden durften zurückkehren, die militärische Notfalleinheit zog sich zurück. Gelöscht war der Brand zunächst nicht.

Die EU entsandte nach Angaben der Europäischen Kommission vier Löschflugzeuge nach Spanien und drei nach Frankreich. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) erklärte, Deutschland sei bereit, Frankreich im Rahmen des europäischen Katastrophenschutzmechanismus zu unterstützen.

Auch in Italien kämpften Einsatzkräfte weiter gegen zahlreiche Brände. Besonders betroffen waren Sizilien und Kalabrien. Allein auf Sizilien wurden am Freitag Dutzende Feuer gemeldet.

Wissenschaftlern zufolge erhöhen die durch den menschengemachten Klimawandel häufigeren und intensiveren Hitzewellen das Risiko von Waldbränden. Dürre und außergewöhnliche Hitze hatten die Vegetation in weiten Teilen Südeuropas stark ausgetrocknet und erschwerten die Löscharbeiten.

Y.Sharma--DT