Dubai Telegraph - Neun Fahrzeugprojekte zeigen den Wandel der Bundeswehr

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Neun Fahrzeugprojekte zeigen den Wandel der Bundeswehr
Neun Fahrzeugprojekte zeigen den Wandel der Bundeswehr

Neun Fahrzeugprojekte zeigen den Wandel der Bundeswehr

Von autonomen Kettenrobotern bis zu Artillerie und Flugabwehr auf dem Boxer: Neun Projekte zeigen, wie die Bundeswehr Transport, Aufklärung und Waffenwirkung stärker automatisieren will.

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Die künftige Fahrzeugausstattung der Bundeswehr geht über klassische Panzer, Lastwagen und Geländewagen hinaus. Mehrere Projekte verbinden unbemannte Plattformen, Sensorik, autonome Fahrfunktionen und modulare Waffensysteme. Einige Fahrzeuge sind bereits bestellt, andere werden noch erprobt. Besonders bei unbemannten Systemen ist offen, welche Modelle später in großer Zahl eingeführt werden.

Der THeMIS von Milrem Robotics besteht aus zwei breiten Kettenlaufwerken mit einer Ladefläche dazwischen und hat keinen Fahrerplatz. Das etwa 2,40 Meter lange und zwei Meter breite Fahrzeug wiegt leer rund 1,6 Tonnen und kann je nach Ausführung bis zu 1,2 Tonnen Nutzlast aufnehmen. Es ist für Munition, Ausrüstung oder Verwundete vorgesehen, kann aber auch Sensoren und Waffenstationen tragen. Die Bundeswehr testete unter anderem eine Version mit schwerem Maschinengewehr.

Bei der NATO-Übung Vigorous Warrior 2026 wurde THeMIS für den Verwundetentransport eingesetzt. LiDAR, Trägheitssensoren und automatische Routenplanung sollen selbstständige Fahrten durch schwieriges Gelände ermöglichen. Damit könnte die Plattform Soldaten bei gefährlichen Transportaufgaben entlasten.

Ähnlich kompakt ist der elektrisch angetriebene Ziesel. Er wurde zunächst als Lastenträger entwickelt, der Soldaten folgen und Material oder Munition befördern kann. Im Mai 2026 zeigte das Heer eine Variante mit dem Panzerabwehrsystem MELLS. Die modulare Plattform kann dadurch von einem Transportgerät zu einem unbemannten Waffenträger umgebaut werden. MELLS nutzt den Lenkflugkörper Spike LR und kann Ziele über mehrere Kilometer bekämpfen.

Der Gereon begann als nur etwa 40 Zentimeter langer und zwölf Kilogramm schwerer Täuschungsroboter. Der damalige Bundeswehr-Offizier Marc Wietfeld entwickelte einen Prototyp, der über Lautsprecher Schüsse nachahmen, mit LED-Leuchten Mündungsfeuer erzeugen und Rauch freisetzen konnte. Sogar die Wärmesignatur eines Maschinengewehrs ließ sich simulieren.

Aus dem Projekt entstand das Unternehmen ARX Robotics und später der wesentlich größere Gereon RCS. Das unbemannte Kettenfahrzeug kann manuell oder autonom fahren, erreicht bis zu 15 Kilometer pro Stunde und trägt bis zu 500 Kilogramm. Mögliche Aufgaben sind Transport, Aufklärung, Überwachung und Verwundetenbeförderung. Der Hersteller nennt eine Reichweite von bis zu 40 Kilometern.

Beim TAHR sitzt wieder ein Fahrer am Steuer. Der offene Geländewagen für Spezialkräfte setzt auf geringes Eigengewicht, hohe Nutzlast und Beweglichkeit statt schwerer Panzerung. Er wiegt rund 3,2 Tonnen und kann je nach Version annähernd sein eigenes Gewicht zusätzlich aufnehmen. Waffen, Treibstoff, Munition und Ausrüstung lassen sich damit gemeinsam transportieren. Ein Rahmenvertrag erlaubt bis zu 200 Fahrzeuge, zunächst sind 54 vorgesehen. Die ersten sollen 2027 ausgeliefert werden. Das Fahrzeug kann vergleichsweise leicht per Flugzeug oder Hubschrauber verlegt werden.

Die RCH 155 kombiniert den Radpanzer Boxer mit einer weitgehend automatisierten 155-Millimeter-Artillerieanlage mit 52 Kaliberlängen. Die Geschosse werden nicht mehr von Soldaten per Hand geladen. Deshalb benötigt das System nur zwei Besatzungsmitglieder, während eine Panzerhaubitze 2000 regulär fünf Soldaten braucht. Das rund 39 Tonnen schwere Fahrzeug erreicht auf der Straße etwa 100 Kilometer pro Stunde. Es kann während der Fahrt schießen und nach einem Feuerauftrag schnell den Standort wechseln.

Der Skyranger 30 nutzt ebenfalls das Boxer-Fahrgestell, trägt aber eine 30-Millimeter-Revolverkanone mit etwa 1250 Schuss pro Minute. Das System ist für die Abwehr von Flugzeugen, Hubschraubern und insbesondere kleinen Drohnen ausgelegt. Programmierbare Air-Burst-Munition detoniert an einem berechneten Punkt und verteilt Projektile im Zielgebiet. Das Radar Spexer 2000M soll mehrere hundert Ziele gleichzeitig erfassen können.

Beim Schakal wird der Boxer mit einem vom Schützenpanzer Puma abgeleiteten RCT30-Turm kombiniert. Die 30-Millimeter-Maschinenkanone sitzt in einem unbemannten Turm, während die Soldaten im geschützten Innenraum bleiben. Deutschland und die Niederlande wollen zunächst 150 Fahrzeuge beschaffen; 200 weitere sind als Option vorgesehen. Die ersten Auslieferungen sind für Ende 2027 geplant.

Der Luchs 2 ist als Nachfolger des Fennek vor allem ein Aufklärungsfahrzeug. Kameras, Wärmebildtechnik und weitere Sensoren sollen Ziele erkennen, bevor das Fahrzeug selbst entdeckt wird. Sensoren auf ausfahrbaren Masten ermöglichen Beobachtung aus der Deckung. Positionen und Bilder werden digital an andere Einheiten übertragen, wodurch der Spähwagen zu einem vernetzten Sensorknoten wird.

Schließlich erprobt die Bundeswehr Lastwagen, die ohne eigenen Fahrer einem vorausfahrenden Fahrzeug folgen. Eine elektronische Deichsel nutzt Kameras und Sensoren zur Erfassung der Umgebung. Das Autonomiesystem steuert Lenkung, Gas und Bremse. In einem Konvoi könnte nur der erste Lastwagen bemannt sein, während die übrigen automatisch folgen. Bis 2031 will die Bundeswehr entsprechende Fähigkeiten für unbemanntes Fahren entwickeln.

Die neun Projekte zeigen unterschiedliche Entwicklungsstände und Einsatzkonzepte. Gemeinsam ist ihnen der Versuch, Personal zu entlasten, gefährliche Aufgaben aus der Distanz zu erledigen und Informationen schneller zu vernetzen. Ob alle Systeme in größerer Stückzahl beschafft werden, hängt von weiteren Tests, militärischem Bedarf und Haushaltsentscheidungen ab.

Die Projekte stehen auch im Kontext der Kritik des Präsidenten des Kiel Instituts für Weltwirtschaft, Moritz Schularick. Er wirft Verteidigungsminister Boris Pistorius vor, weiterhin zu stark auf klassische Großsysteme zu setzen, und fordert mehr Mittel für Drohnen, Robotik, künstliche Intelligenz und autonome Systeme. Die neun Beispiele zeigen, dass solche Technologien bereits erprobt werden, auch wenn ihre spätere Verbreitung noch unklar ist.

Bei THeMIS ist die offene Plattform entscheidend: Dieselbe Grundkonstruktion kann als Transporter, Träger für Aufklärungssensoren oder Waffenplattform dienen. Diese Modularität soll Entwicklungs- und Logistikaufwand reduzieren, wirft aber je nach Bewaffnung unterschiedliche Anforderungen an Führung und Kontrolle auf.

Der Ziesel verfolgt ein ähnliches Prinzip in kleinerem Maßstab. Als elektrischer Lastenträger kann er Truppen folgen, ohne einen Fahrer zu binden. Mit MELLS erhält er eine völlig andere Rolle. Der Wechsel zwischen Logistik und Panzerabwehr verdeutlicht, wie stark Software, Sensoren und austauschbare Aufbauten den Einsatzwert bestimmen.

RCH 155, Skyranger 30 und Schakal verwenden alle den Boxer als Basis, erfüllen aber getrennte Aufgaben. Die Artillerievariante wirkt auf große Entfernung gegen Bodenziele, der Skyranger schützt vor Bedrohungen aus der Luft, und der Schakal verbindet Transportfähigkeit mit der Feuerkraft eines Schützenpanzers. Eine gemeinsame Plattform kann Wartung und Ersatzteilversorgung vereinfachen.

Bei autonomen Lastwagen ist zunächst kein vollständig selbstständiger Konvoi vorgesehen. Der erste Lkw wird weiterhin von einem Menschen geführt. Die folgenden Fahrzeuge orientieren sich elektronisch an ihm und an der Umgebung. Dadurch könnten weniger Fahrer benötigt und Personal aus besonders gefährdeten Fahrzeugen herausgehalten werden.

Aufklärung und Vernetzung sind beim Luchs 2 ebenso wichtig wie Beweglichkeit. Ein Sensor auf einem Mast kann über Deckungen hinweg beobachten, während das Fahrzeug verborgen bleibt. Die digital übertragenen Daten können anderen Fahrzeugen oder Führungsstellen ein Lagebild liefern und dadurch Waffenwirkung ermöglichen, ohne dass der Spähwagen selbst schießt.

G.Koya--DT